Die anderen Matrosen waren verschiedenartig bepackt. Einige trugen Spaten und Schaufeln — das war das erste gewesen, was sie von der Hispaniola hinuntergetragen hatten —, andere waren mit Fleisch, Brot und Branntwein für die Mittagsmahlzeit beladen. Alle Vorräte kamen, wie ich bemerkte, aus unserer Speisekammer und ich sah, wie richtig Silvers Worte gewesen waren. Wenn er nicht mit dem Doktor den Vertrag geschlossen hätte, wäre er mit seinen Meuterern, nachdem das Schiff weg war, auf Trinkwasser und die etwaigen Ergebnisse der Jagd angewiesen gewesen. Wasser wäre nicht sehr ihr Geschmack gewesen und Matrosen sind selten gute Jäger. Außerdem schien es wahrscheinlich, daß sie auch nicht über sehr große Pulvervorräte verfügten, wenn sie so wenig Eßwaren hatten.

Nun, so ausgerüstet, machten wir uns auf den Weg — selbst der Kerl mit dem Loch im Kopf war mit, für den es sicherlich besser gewesen wäre, im Schatten zu Hause zu bleiben — und wanderten der Bucht zu, wo uns die beiden Boote erwarteten. Auch sie trugen Spuren der betrunkenen Wildheit der Seeräuber; in einem war die Ruderbank gebrochen, und beide waren verschmutzt und auf dem Boden standen Wasserlachen. Wir mußten aus Sicherheitsgründen beide mitschleppen und so setzten wir uns endlich in Bewegung.

Unterwegs gab es einigen Streit, der Karte wegen. Das rote Kreuz war natürlich viel zu groß, um als Führer zu dienen und die Ausdrücke der Erklärung auf der Rückseite schienen immerhin zweideutig. Diese Erklärung lautete, wie man sich erinnern wird, folgendermaßen:

„Hoher Baum, Fernrohrabhang, Wegweiser nach N. von NNO.
Skelettinsel OSO. und nach O.
Zehn Fuß.“

Ein hoher Baum war also die wichtigste Bezeichnung. Der Ankerplatz war gerade vor uns von einer Hochfläche begrenzt, die etwa zwei- bis dreihundert Fuß hoch lag und sich im Norden an den abfallenden südlichen Abhang des „Fernrohrs“, und gegen Süden an die steile zerklüftete Erhöhung, der Kreuzmastberg genannt, anschloß. Diese Hochfläche war dicht mit Nadelbäumen verschiedener Höhe bestanden. Da und dort erhob sich ein Baum vierzig oder fünfzig Fuß über seine Nachbarn, doch welcher davon der eigentliche „hohe Baum“ des Kapitän Flint war, konnte nur an Ort und Stelle mit Hilfe des Kompasses entschieden werden.

Trotzdem die Sache so lag, hieb jeder der Matrosen, bevor wir halb drüben waren, einen Baum, den er sich aussuchte, um, und nur der lange John zuckte die Achseln und riet ihnen, zu warten, bis wir an Ort und Stelle wären.

Auf Silvers Anordnung, der die Matrosen nicht vorzeitig ermüden wollte, gingen wir nur langsam vorwärts und landeten nach einer beträchtlichen Weile bei der Mündung des zweiten Flusses, desjenigen, der durch eine bewaldete Schlucht vom „Fernrohr“ herunterkommt. Von da aus hielten wir uns nach links und erstiegen den Abhang gegen die Hochfläche zu.

Beim Anstieg verlangsamte der Moorboden mit seiner Sumpfvegetation sehr unser Tempo, doch allmählich ging es steiler hinauf, der Boden wurde steiniger, der Wald veränderte seinen Charakter und die Bäume standen in größeren Abständen. Wir kamen nun in einen wunderschönen Teil der Insel. Wohlriechender Ginster und andere blühende Stauden hatten das Gras fast ganz verdrängt. Dichte Gruppen grüner Muskatnußbäume waren da und dort mit den roten Säulen der breitschattigen Nadelbäume untermischt und vermengten ihren Duft mit dem der Nadelbäume. Die Luft war frisch und anregend und wirkte trotz der herniederbrennenden Sonne wunderbar belebend auf unsere Sinne.

Die Leute gingen in fächerförmiger Anordnung und riefen und sprangen hin und her. Ziemlich weit hinter den anderen folgten Silver und ich — er keuchend von der Anstrengung des Steigens, und ich durch den Strick kurzgehalten. Von Zeit zu Zeit mußte ich ihm die Hand reichen, denn der Weg gab ihm viel zu schaffen und er war mehrmals im Begriffe, rückwärts den Abhang hinunter zu fallen.