Das war unser beider sicheres Ende. Wie ich da die Feigheit der Nachbarn verfluchte, wie ich meiner armen Mutter grollte wegen ihrer Ehrlichkeit und ihrer Habsucht, ihrer früheren Tollkühnheit wegen und ihrer jetzigen Schwäche! Wir waren zum Glück eben zu einer kleinen Brücke gekommen und ich half der Wankenden zum Uferrand hinunter, wo sie mit einem Seufzer ohnmächtig an meine Schulter sank.
Ich weiß nicht, woher ich die Kraft nahm, sie zu tragen und ich fürchte, ich habe es nicht sehr zart gemacht, aber immerhin schleppte ich sie die Böschung hinunter und ein Stückchen unter den Brückenbogen. Weiter konnte ich sie nicht bringen, denn die Brücke war zu niedrig, so daß ich nur hineinkriechen konnte. Dort mußten wir bleiben, meine Mutter fast ganz unbeschützt, und wir beide in Hörweite vom Gasthofe.
Fünftes Kapitel
Das Ende des blinden Mannes
In gewissem Sinne war meine Neugierde stärker als meine Furcht, denn es hielt mich nicht in meinem Versteck, sondern ich kroch wieder auf die Böschung hinauf, von wo aus ich, den Kopf hinter einem Ginstergebüsch verborgen, die Straße vor unserem Tor überblicken konnte. Ich hatte kaum meine Stellung bezogen, als meine Feinde schon herankamen und ihre Schritte schlugen in unregelmäßigen Abständen auf den Boden. Der mit der Laterne war einige Schritte voran. Drei Männer liefen Hand in Hand und ich konnte auch durch den Nebel bemerken, daß der mittlere in diesem Trio der blinde Bettler war. Im nächsten Augenblick hörte ich an seiner Stimme, daß es so war.
„Nieder mit dem Tor!“ schrie er.
„Ja, ja, Herr!“ antworteten zwei oder drei und der „Admiral Benbow“ wurde gestürmt. Der Laternenträger folgte. Dann sah ich sie innehalten und hörte sie in leiserem Tone sprechen, als seien sie überrascht, das Tor offen zu finden. Aber die Unschlüssigkeit dauerte nicht lange, denn der blinde Mann gab wieder seine Befehle. Seine Stimme klang lauter und schärfer, wie von Eifer und Wut befeuert.
„Hinein, hinein, hinein!“ schrie er und fluchte über ihre Langsamkeit.