„Der Bratrost ist kein gewöhnlicher Mann,“ sagte der Bootsführer zu mir, „er hat in seinen jungen Jahren etwas gelernt und kann sprechen wie ein Buch, wenn er will. Und tapfer ist er wie ein Löwe! Ich habe gesehen, wie er unbewaffnet viere überwältigte und ihnen die Köpfe aneinanderschlug!“
Die ganze Mannschaft achtete ihn und gehorchte ihm sogar. Er hatte eine eigene Art mit jedem zu reden und jedem einen persönlichen Dienst zu leisten. Mir gegenüber war er unermüdlich gütig und immer erfreut mich in der Küche zu sehen, die er blitzsauber hielt, daß es eine Freude war, wie die polierten Schüsseln dahingen. Und in der Ecke stand der Käfig mit seinem Papagei.
„Komm, Hawkins,“ pflegte er zu sagen, „komm mit John, wir wollen Geschichten erzählen. Niemand ist mir willkommener als du, mein Sohn! Setz dich und plaudern wir ein wenig. Kapitän Flint hier — ich nenne meinen Papagei Kapitän Flint nach dem berühmten Freibeuter — wird dir einen guten Erfolg unserer Reise prophezeien. Nicht wahr, Kapitän?“
Und der Papagei plapperte mit großer Geläufigkeit: „Goldstücke, Goldstücke, Goldstücke“, bis John sein Taschentuch über den Käfig warf.
„Dieser Vogel,“ pflegte er dann zu erzählen, „ist vielleicht zweihundert Jahre alt, Hawkins. Sie leben ewig, diese Viecher, und wenn jemand mehr Bosheit gesehen hat, so kann das nur der Teufel in Person gewesen sein.“
„Er ist mit England, dem großen Kapitän England, dem Freibeuter, gesegelt. Er war in Madagaskar und in Malabar, in Surinam und Providence und Portobello. Er war dabei, wie die untergegangenen Goldschiffe aufgefischt wurden. Dort lernte er das ‚Goldstücke‘! was kein Wunder ist, denn dreihundertfünfzigtausend davon haben sie dort gefischt, Hawkins! Er war beim Entern des indischen Vizekönigsschiffes, bei Goa, dabei, jawohl. Und wenn man ihn anschaut, möchte man ihn für ein Baby halten! Aber Ihr habt schon Pulver gerochen, nicht wahr, Kapitän?“
„Dabei gewesen!“ kreischte der Papagei.
„Ah, der ist ein schlauer Kerl“, pflegte der Koch darauf zu sagen und reichte ihm ein Stück Zucker aus seiner Tasche, und der Vogel pickte an den Käfigstäben und fluchte darauf los, daß es kaum anzuhören war. — „Natürlich,“ sagte John, „wer Pech anrührt, besudelt sich, Junge. Der arme, unschuldige Vogel da flucht, daß einem Hören und Sehen vergeht und kann doch nichts dafür, da kann man Gift darauf nehmen. Er würde genau so fluchen, wenn ein Kaplan dabei wäre.“ Und John berührte seine Stirne mit einem so feierlichen Gesicht dazu, daß ich überzeugt sein mußte, er sei der beste Mensch.
Indessen standen der Squire und Kapitän Smollett immer noch recht fremd zueinander. Der Gutsherr ließ ganz deutlich erkennen, daß er den Kapitän verachte. Der Kapitän seinerseits sprach nur, wenn er gefragt wurde, und dann scharf, kurz, trocken und nie ein Wort mehr als notwendig. In die Enge getrieben gab er zu, daß er scheinbar in bezug auf die Mannschaft Unrecht behalten habe, daß ein paar der Matrosen so flinke, frische Kerle seien, wie er es nicht besser wünschen konnte und daß alle sich ziemlich gut hielten. Das Schiff aber hatte er geradezu lieb gewonnen. „Es ist treuer als ein Ehemann von seiner angetrauten Frau erwarten darf. Aber,“ pflegte er hinzuzufügen, „wir sind noch nicht zurück und die ganze Fahrt ist mir nicht geheuer.“