Ferner nahm ich ein paar Pistolen mit, und da ich bereits ein Pulverhorn und Kugeln hatte, fühlte ich mich mit Waffen wohlversehen.
Der Plan, mit dem ich mich trug, war an und für sich nicht schlecht. Ich wollte die schmale Landzunge, welche im Osten den Ankerplatz von der offenen See trennt, hinuntergehen, den weißen Felsen, den ich am letzten Abend bemerkt hatte, suchen und mich überzeugen, ob Ben Gunn dort sein Boot versteckt habe; was, wie ich noch immer glaube, wohl der Mühe wert war zu unternehmen. Doch da ich sicher war, daß man mir nicht gestatten würde die Umzäunung zu verlassen, wollte ich französischen Abschied nehmen und unbeobachtet hinausschlüpfen. Und das war eine so schlechte Handlungsweise, daß dadurch die ganze Sache zu einem Unrecht wurde. Doch ich war nur ein Bub’ und war fest entschlossen meinen Plan durchzuführen.
Der Zufall wollte es, daß ich eine wundervolle Gelegenheit fand. Der Squire und Gray waren eifrig damit beschäftigt dem Kapitän bei seinen Verbänden Hilfe zu leisten. Der Weg war frei und so machte ich einen Satz über die Umzäunung und mitten hinein in das dichteste Gehölz, und ehe meine Abwesenheit bemerkt wurde, war ich außer Hörweite.
Das war meine zweite Torheit und sie war viel schlimmer als die erste, denn ich ließ nur zwei gesunde Männer zur Bewachung des Hauses zurück; doch sollte sie späterhin, gleich der ersten, zur Rettung für uns alle werden.
Ich nahm meinen Weg geradeaus zur Ostküste der Insel, da ich entschlossen war die dem Meere zu gelegene Seite der Landzunge hinunterzugehen, um jede Möglichkeit zu vermeiden vom Ankerplatz aus beobachtet zu werden.
Es war schon spät am Nachmittag, doch noch immer warm und sonnig. Als ich mich weiter durch hohes Gebüsch hindurchwand, konnte ich in naher Entfernung nicht nur den unaufhörlichen Donner der Brandung, sondern auch ein gewisses Rauschen der Blätter und Aneinanderschlagen der Zweige hören, das mir anzeigte, daß die Brise stärker als sonst eingesetzt hatte. Bald spürte ich einen kalten Luftzug und nach einigen weiteren Schritten kam ich an den offenen Rand des Waldes und sah das Meer blau und sonnig weit vor mir liegen und die Brandung wallend und schäumend an die Küste anschlagen.
Ich habe um die Schatzinsel die See niemals ruhig gesehen. Wenn die Sonne noch so heiß brannte und kein Lüftchen sich rührte und die Oberfläche des Meeres glatt und blau dalag, schlugen doch diese breiten Wogen Tag und Nacht donnernd und donnernd an die Küste, und ich glaube kaum, daß es einen Platz auf der Insel gibt, wo dieses Getöse nicht ans Ohr dringt.
Ich ging mit großem Entzücken die Küste entlang, bis ich endlich, da ich nun annahm, weit genug nach Süden gekommen zu sein, unter der Deckung dichten Gebüsches vorsichtig den Sattel der Landzunge erklomm. Hinter mir war das Meer, vor mir der Ankerplatz.
Die Seebrise war im Abflauen und es schien als hätte sie sich durch ihre ungewöhnliche Heftigkeit schneller zu Ende geblasen und nun folgten ihr wechselnd leichte Winde aus Süden und Südost, die breite Nebelstreifen mit sich führten. Der Ankerplatz an der Leeseite der Skelettinsel lag noch immer in der bleiernen Stille, in der wir ihn zuerst betreten hatten. Die Hispaniola spiegelte sich in dieser ruhigen Wasserfläche von der Spitze, an der die Freibeuterflagge flatterte, bis zur Wasserlinie.
Daneben lag eines der Ruderboote, in dessen Achtersitz Silver saß — ihn konnte ich stets erkennen —, während ein paar seiner Leute sich über die Reeling beugten. Einer von ihnen, mit der roten Mütze, war derselbe Schurke, den ich ein paar Stunden vorher Hals über Kopf über die Palisade fliehen gesehen hatte. Sie schienen zu lachen und zu plaudern, obwohl ich auf diese Entfernung — über eine Meile — natürlich kein Wort ihres Gespräches vernehmen konnte.