»Es wird Ihnen sicherlich gut gehen, ich hoffe es und wünsche es, und ich weiß es beinahe. Seien Sie immer ein bißchen demütig, nicht zu viel, Ihren Mann werden Sie immer stellen müssen. Aber brausen Sie nie auf, lassen Sie die ersten Worte des Übelwollens immer unbeantwortet; auf ein heftiges erstes Wort folgt ja so schnell ein züchtiges, sanftes. Gewöhnen Sie sich daran, Empfindlichkeiten in der Stille zu besiegen. Was Frauen jeden Tag tun müssen das soll auch der Mann nicht wollen ganz außer acht lassen. Das Weltleben unterliegt ja denselben Gesetzen wie das häusliche Leben, nur größeren und breiteren. Nur nie stürmisch! Haben Sie auch alles, was Ihnen gehört, eingepackt? Gehen Sie jetzt mit Wirsich? Hören Sie, Marti, nur nie zwangsweise, immer ein bißchen artig. Dann werden Sie schon vorwärtskommen. Ich, ich werde auch bald fortgehen. Dieses Haus ist verloren. Wir werden, ich und mein Mann und meine Kinder, irgendwo dann in der Stadt wohnen, wahrscheinlich in einem billigen Quartier. Man gewöhnt sich an alles, und nicht wahr, ein ganz klein wenig gern sind Sie doch hier bei uns gewesen. Nicht wahr? Es war doch vieles hübsch. Wollen Sie Tobler nicht auch adieu sagen lassen?«

»Von Herzen!« sagte der Gehülfe. Sie ergriff zum letzten Mal das Wort:

»Ich werde es ihm ausrichten, es wird ihn freuen. Er hat es um Sie verdient, daß Sie ihm nicht grollen, er hat Sie gern gehabt, wie wir alle. Sie sind unser Angestellter gewesen – nein, gehen Sie jetzt. Viel Glück, Joseph.«

Sie bot ihm die Hand und wandte sich dann zu ihren Kindern, als sei gar nichts weiter geschehen. Er nahm seinen Handkoffer vom Boden auf und ging. Und dann verließen die beiden, Marti und Wirsich, den Abendstern.

Unten auf der Landstraße angekommen, machte Joseph halt, zog einen Toblerschen Stumpen aus der Tasche, zündete sich denselben an und drehte sich noch einmal nach dem Haus um. Er grüßte es in Gedanken, dann gingen sie weiter.