»Freilich, mein Bruder, aber viel mehr mein Freund! Solch einen Bruder muß man Freund nennen, wenn man die richtige Bezeichnung haben will. Wir sind nur zufällig Brüder, aber Freunde sind wir mit Bewußtsein, und das ist viel wertvoller. Was ist Bruderliebe? Als wir noch Brüder waren, packten wir uns eines Tages am Halse, beidseitig, und wollten uns den Garaus machen. Hübsche Liebe! Unter Brüdern ist der Neid und der Haß nichts Außerordentliches. Wenn Freunde sich hassen, gehen sie auseinander, wenn Brüder sich hassen, denen das Geschick das Zusammenleben unter einem Dache vorschreibt, geht es nicht so gelinde zu. Aber das ist eine alte und unschöne Geschichte.«

»Warum schließen Sie Ihren Brief nicht zu?«

»Ich möchte Sie bitten, von dem, was ich geschrieben habe, Kenntnis zu nehmen.«

Die Frau lächelte:

»Nein, das tu ich nicht.«

»Ich habe unziemlich von Ihnen gesprochen in dem Brief.«

»Es wird nicht so schlimm sein,« bemerkte sie und stand auf: »Gehen Sie zu Bett.«

Simon tat, was sie befahl, und dachte, indem er hinausging:

»Ich werde immer frecher. Bald jagt sie mich noch zum Haus hinaus!« –

Dreizehntes Kapitel.