In der weiteren Umgegend von Bagamoyo, zwischen dem Kingani und dem Wami, hatten sich die alten Jumbes von Bagamoyo (Jehasi, Makanda, Simbambili und Bomboma), die Hauptverbündeten Buschiris, wieder festgesetzt und den ihnen durch Vermittler erteilten Rat, nach Bagamoyo zurückzukehren und sich Wißmann zu stellen, höhnisch zurückgewiesen. Wißmann mußte daher daran gehen, sie aus dieser Gegend zu vertreiben, um zu verhindern, daß Buschiri, wenn er aus dem Innern zurückkehrte, hier wieder einen Stützpunkt fände. Es wurde zu dem Zweck Chef v. Gravenreuth mit zwei Kompagnien und einer größeren Waniamuesi-Abteilung abgeschickt, mit dem Befehl, die Gegend zu säubern und die mit den Jumbes verbündeten Ortschaften zu zerstören, ein Auftrag, den Gravenreuth mit dem ihm eigenen Geschick ausführte. Er brachte den Gegnern erhebliche Verluste bei, ohne selbst solche zu erleiden, äscherte die Rebellenlager ein und nahm die dort angehäuften Lebensmittel weg. Dieser Erfolg trug bald gute Früchte, indem auch die Jumbes aus der weiteren Umgegend nach Bagamoyo kamen und um Frieden baten. Auch gegen die berüchtigten Sklavenhändler von Mlangotini wurde um diese Zeit ein Schlag geführt; ein Sklaventransport, den sie bei Nacht nach Sansibar zu bringen im Begriffe standen, wurde ihnen abgenommen und sie selbst wurden aufgehängt, unter ihnen der gefährlichste von allen Salem, den erfreulicherweise die Eingeborenen selbst gebunden dem Reichskommissar überbrachten.

In Sadani hatte sich inzwischen Bana Heri wieder mit einem Teile seiner Leute eingefunden, und schien durch alle Mißerfolge seiner Partei noch nicht im geringsten entmutigt, vielmehr entschlossen, den Kampf fortzusetzen und die Herrschaft über Usegua zu behaupten.

Sef ben Mohammed, der Sohn des unter dem Namen Tibbu-Tip bekannten Hammed ben Mohammed, war mit einer Menge Elfenbein und unter anderm auch mit Geschenken für Wißmann von seinem Vater aus dem Innern nach der Küste abgeschickt worden und nach unserm Kampf bei Sadani dort angekommen, hatte er vom Reichskommissar auf sein Ansuchen die Erlaubnis erhalten, die Festlandsküste zu verlassen, um nach Sansibar zu gehen. Er ging bald darauf wieder im Einverständnis mit Wißmann nach Sadani und bot hier all seinen Einfluß auf Bana Heri auf, um diesen zur Unterwerfung unter die deutsche Herrschaft zu veranlassen. Seine Bemühungen waren vollkommen vergeblich.

Der Reichskommissar wandte sich deshalb an den Kapitän Valette, den stellvertretenden Geschwaderchef nach Abgang der Leipzig aus Ostafrika, mit der Bitte, Sadani zu blokieren, um die Versorgung Bana Heris mit Waffen und Munition, wie überhaupt jede Kommunikation desselben mit Sansibar zu verhindern.

Die ersten in dieser Zeit eingetroffenen Berichte aus Pangani und Tanga an den Reichskommissar lauteten günstig. Die nächste Umgebung Panganis hatte sich bis auf den Dörferkomplex Muganda unterworfen. Auch mit diesem hoffte der Stationschef Dr. Schmidt ein friedliches Abkommen treffen zu können. Als er jedoch auf einem Spazierritt, den er allein in jene Gegend machte, von Muganda-Leuten mit Schüssen aus den Gebüschen auf beiden Seiten des Weges empfangen wurde und nur mit genauer Not entkam, sah er sich genötigt, sofort die Rebellen anzugreifen und sie zur Flucht weiter ins Innere hinein zu zwingen. Von der Stationsbesatzung fiel ein Mann und einer wurde schwer verwundet, während die Aufständischen erhebliche Verluste hatten.

In Tanga wurde, nachdem das letzte noch feindliche Dorf in der Umgegend, Timbari, vom Stationschef mit einem Teil seiner Besatzung und einer Matrosenabteilung von 16 Mann zerstört und den Rebellen ihr Vorrat an Munition und Proviant abgenommen war, der bei dem Gros der Bevölkerung beliebte Neger Munikombo als Wali eingesetzt und so auch hier Ruhe und Ordnung vollkommen wiederhergestellt.

5. Kapitel.
Ausbildung des Reichskommissariats.

Mangel an Verwaltungspersonal. — Einrichtung und Geschäftsbereich der Verwaltung in der Schutztruppe. — Verwaltung des vorhandenen Dampfermaterials. — Unterstützung durch deutsche Firmen in Sansibar. — Das Hauptquartier. — Adjutant Bumiller. — Verkehr mit den Arabern und Indern. — Verteilung des Kriegsmaterials auf Stationen. — Das Sanitätswesen und die Hospitäler. — Tod des Stabsarztes Schmelzkopf. — Einexerzierung der Schutztruppe. — Deutsche Kommandos. — Uniformen und Gepäck. — Verteilung der Schutztruppe. — Schwarze Chargen. — Weiße Chargen. — Systematische Ausbildung der Gruppe. — Schießresultate bei Sudanesen und Zulus. — Disziplin der Zulus. — Verhältnis des Kommissariats zu den deutschen Behörden in Sansibar. — Verhältnis zur Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft. — Dienst der Wißmann-Flotte.

Die Kämpfe um Bagamoyo, Daressalam, Pangani und Tanga bilden den ersten Abschnitt in der Niederwerfung des Aufstandes. Nach ihrer Beendigung konnte der Reichskommissar mit größerer Ruhe an die weitere Durchführung der ihm gestellten Aufgabe gehen. Während dieses ersten Teils seiner Thätigkeit hatte sich naturgemäß eine vollständige Umbildung des Reichskommissariats in allen seinen Teilen vollziehen müssen, da dasselbe anfangs nur zu sehr den Charakter des Provisorischen an sich trug.

In erster Linie gehörte hierher die Ausbildung der eigentlichen Verwaltung und des Verkehrs mit den wiedergewonnenen oder neugeschaffenen Stationen. Streng genommen stand dem Reichskommissar an geschultem Verwaltungspersonal nur zur Verfügung der Zahlmeisteraspirant der Marine Merkel, der jedoch bald nach seiner Ankunft den Wirkungen des Klimas unterlag. Dagegen war kein Intendanturbeamter, ja nicht einmal eine Art Sekretär vorhanden, sondern es vereinigte sich alles dieses in der ersten Zeit des Kommissariats in der Person von Eugen Wolf, der in der That ein ungemein großes Arbeitsquantum in geeigneter Weise erledigt hat.