Den letztgenannten Teil des Verwaltungsapparates behielt während des ersten halben Jahres des Kommissariats Eugen Wolf unter sich.

Ganz besonders anzuerkennen ist noch während der ersten Schwierigkeiten, welche sich dem Kommissariat entgegenstellten, die Hilfe der deutschen Firmen in Sansibar, besonders des Hauses Hansing u. Cie., dessen damalige Leiter Strandes, später Wegner mit ihrem kaufmännischen Rat und ihrer Kenntnis der örtlichen Verhältnisse wesentliche Dienste geleistet haben. Das Haus Hansing hatte, nebenbei bemerkt, die Hauptlieferungen für das Kommissariat übernommen und hat dieselben stets zur Zufriedenheit erledigt.

Alle Anforderungen bezüglich der Verwaltung kamen selbstverständlich am letzten Ende an den Reichskommissar, der in der That durch seine ungewöhnliche Arbeitskraft und durch sein überaus bedeutendes organisatorisches Talent in der Lage war, jedesmal die wenigstens für den Augenblick richtige Entscheidung zu treffen. Erst allmählich gelang es durch Heranziehung neuen europäischen Materials und durch die richtige Verwendung der zur Verfügung stehenden Kräfte einige Ordnung in den Verwaltungsdienst zu bringen und die einzelnen Zweige desselben zu organisieren.

Das Hauptquartier selbst war während der ganzen Zeit des Aufstandes in Sansibar in drei großen Gebäuden untergebracht. Das eine derselben, in der Hauptstraße gelegen, barg die sämtlichen Bureaus, außerdem befand sich dort die Wohnung des Reichskommissars und einiger Beamten. Ein zweites Gebäude diente zu Hospitalzwecken, ein drittes lediglich zu Wohnräumen für Offiziere. Ein Teil des Unteroffizierpersonals, welches beim Hauptquartier beschäftigt wurde, mußte trotzdem noch im Hotel untergebracht werden. Für diejenigen, welche in der Zeit des Reichskommissariats nach Sansibar kamen, mußte unzweifelhaft das Hauptquartier Wißmanns als der anziehendste Punkt der ganzen Insel gelten; war doch der Verkehr im Hauptquartier sogar lebhafter als der im Sultanspalast. In der nach arabischer Art mit Steinbänken ausgestatteten Halle wimmelte es von Kawassen und Dienern oder Boten. Im Hofe, in derselben Vorhalle, nur etwas weiter nach der Rückwand des Hauses zu, stampften die Pferde des Reichskommissars. Ein fortmährendes Gehen und Kommen deutscher Unteroffiziere gab Zeugnis von der regen Thätigkeit, welche den Tag über, zum Teil aber auch bis tief in die Nacht hinein in dem Hauptquartier herrschte.

Dazwischen fielen die zuweilen wegen ihrer langen Dauer keineswegs angenehmen Besuche vornehmer Araber und reicher Inder, welche wesentlich zur Belebung des Bildes beitrugen. Alle aber wurden vom Reichskommissar in Person stets mit der gleichen Liebenswürdigkeit empfangen und ihrem persönlichen oder Volkscharakter nach durchaus richtig behandelt. Man darf behaupten, daß niemand von diesen Bittstellern unzufrieden aus dem Kommissariat herausgegangen ist. Eine wesentliche Stütze hatte Wißmann dabei an seinem Adjutanten Dr. Bumiller. Dieser war ursprünglich als Freiwilliger ohne irgend eine bestimmt in Aussicht genommene Verwendung nach Sansibar gegangen und wurde erst draußen von Wißmann als Lieutenant und persönlicher Adjutant in den Verband der Schutztruppe aufgenommen.

Es muß der außerordentlichen Arbeitskraft und Uneigennützigkeit Bumillers das vollste Lob gespendet werden. Wohl alle Schriftstücke von einiger Wichtigkeit sind durch seine Hände gegangen, beziehungsweise von ihm verfaßt worden. Seine sehr günstigen Privatverhältnisse setzten ihn außerdem in den Stand, in einer Weise, welche auf den ersten Blick sonderbar erscheinen konnte, dem Kommissariat Dienste zu leisten: wir meinen die äußere Ausstattung desselben und zwar besonders der Räume, welche für den offiziellen Gebrauch des Reichskommissars d. h. besonders für seinen Verkehr mit den auf Aeußerlichkeiten sehr bedachten Arabern bestimmt waren. Die kostbare Einrichtung des Salons, in welchem Wißmann die vornehmen Araber empfing, war Bumillers persönliches Eigentum und von ihm dem Kommissariat zur Verfügung gestellt worden. Schwerlich würde man in Berlin ohne weiteres begriffen haben, daß in dieser Beziehung die Aeußerlichkeiten von einer wesentlichen Wirkung sein konnten und mußten. Der Maskataraber verlangt aber, wenn er jemanden als eine besonders hervorragende Persönlichkeit anerkennen soll, daß derselbe, wenigstens in einem Verkehrscentrum wie Sansibar, durch äußeren Prunk in irgend einer Weise seine Bedeutung kundgiebt. Nach dieser Richtung hin hat Bumillers Liberalität zweifellos politische Früchte getragen, ganz abgesehen davon, daß auch dem Reichskommissar und den Offizieren der Schutztruppe an der Wahrung der äußeren Würde gelegen sein mußte.

Während ursprünglich nun die Verwaltungsgeschäfte unter der persönlichen Oberleitung Wißmanns sich in den Händen von Eberstein, Eugen Wolf und Bumiller vereinigten, wurde später eine notwendige Teilung der Geschäfte und der einzelnen Ressorts vorgenommen. Die eigentliche Verwaltung, d. h. die Verpflegungsgeschäfte, das Finanzdepartement, die Führung der Generallisten über Zu- und Abgang blieb unter der Leitung des Freiherrn von Eberstein im Hauptquartier. Das Kriegsmaterial dagegen wurde teils als fester Bestand auf die einzelnen Stationen verteilt und unterstand der Verwaltung der Stationschefs; teils befand es sich als Arsenal in Daressalam unter der Verwaltung des dortigen Chefs. Das Schiffsmaterial endlich war als besonderes Ressort dem Chef der neu gebildeten Seeabteilung, zuerst dem Kapitän Hansen, später dem Lieutenant zur See der Reserve von Sivers unterstellt.

Einen ganz besonders umfangreichen Zweig des Reichskommissariats bildete das von Anfang an unter eigener Verwaltung stehende Sanitätswesen. Bei Beginn der Thätigkeit des Kommissariats standen diesem zwei Ärzte vor: Stabsarzt Dr. Schmelzkopf und Assistenzarzt 1. Klasse Dr. Kohlstock. Es mag gestattet sein, an dieser Stelle noch etwas weiter zurück zu greifen und auf die Schwierigkeiten hinzuweisen, welche sich schon beim Transport der Truppen für die Ärzte herausstellten. Wenn auch die erste Untersuchung in Kairo gesundes Material geliefert hatte, so zeigte sich bei der Langsamkeit des Transportes und bei dem Aufenthalt in Aden doch schon bald eine erhebliche Zahl von Erkrankungsfällen, zum Teil epidemischer Natur. In Aden brachen unter den Sudanesen die Pocken aus und griffen in erschreckender Weise um sich, so daß in Aden selbst bereits eine größere Anzahl Todesfälle eintraten, eine Reihe von Pockenkranken dort zurückgelassen werden mußte und auf dem Transport von Aden nach Sansibar in nur sieben Tagen noch 11 Personen der Krankheit zum Opfer fielen. Nur der durchgreifenden energischen Impfung des gesamten schwarzen Personals ist es zu danken, daß nicht eine vollkommene Dezimierung der Truppe eintrat.

Kaum in Sansibar angekommen, wurden an die Thätigkeit der Ärzte die außerordentlichsten Anforderungen gestellt. Die Einrichtung des Hospitals in Sansibar, die erste Hilfe in den Gefechten, die Überführung der Verwundeten und Kranken von der Küste nach Sansibar hinüber — alles das waren Ausgaben, welche an die Hingebung beider Ärzte mehr als gewöhnliche Anforderungen stellten. Daneben ließ ihr Kriegseifer sie auch noch als Truppenführer in den Gefechten aktive Dienste thun. Die einzige Unterstützung für die Ärzte bildeten vier Lazarettgehülfen — bei einer Truppe von mehr als 1000 Mann, zu denen die Familien der Sudanesen hinzukamen, eine verschwindende Anzahl! Eine Entlastung trat erst dann ein, als durch die Thätigkeit des deutschen Frauen-Vereins einige in der Krankenpflege ausgebildete Schwestern gesandt wurden, die im Haupthospital in Sansibar, sowie in dem bereits im Mai in Bagamoyo bei der dringenden Not errichteten Hospital Verwendung fanden. Leider hatte die Schutztruppe schon bald den Tod ihres ersten Chefsarztes, des Dr. Schmelzkopf zu beklagen.

Als dieser mit Wißmann von den Operationen bei Pangani und Tanga zurückkehrte und auf dem Wege nach Daressalam war, welches er behufs sanitärer Einrichtungen inspizieren wollte, ertrank er im Meere bei dem Versuche Hilfe zu leisten. Der Hergang war etwa folgender: