Indes der Erfolg war da, und das Verdienst, die Küste verteidigt und die Mafitis aufs eklatanteste geschlagen zu haben, gebührt ohne Zweifel Gravenreuth mit seinen Offizieren und Unteroffizieren, wie auch vor allen Dingen der Kaltblütigkeit und Bravour unserer Sudanesen. Hätten diese bei Jombo versagt, so wäre das Expeditionskorps vernichtet gewesen. Als ich auf dem Rückmarsch mit der Stanley-Eminschen Karawane in Msua mit dem Freiherrn v. Gravenreuth zusammentraf, erzählte er mir von den damals noch frischen Ereignissen, wobei er den Erfolg außer der Tapferkeit der Soldaten besonders der Ruhe seiner Offiziere von Perbandt und von Behr zuschrieb.

9. Kapitel.
Wißmanns Thätigkeit an der Küste nach der Rückkehr von Mpapua,
Buschiris Gefangennahme und die Unterwerfung Bana Heris.

Revisionsreise des Reichskommissars nach allen Stationen. — Bana Heri im Hinterland von Sadani. — Der Verkehr wird durch seine Leute behindert. — Gefährdung der französischen Mission Mandera. — Expedition gegen Bana Heri unter v. Zelewski. — 600 Wassukuma als Hilfstruppe. — Selbständiges Vorgehen der Wassukuma nach Mandera. — 200 irreguläre Wadoë und Wakuara aus unserer Seite. — Kleineres Expeditionskorps unter Gravenreuth zur See in Sadani; Zelewski auf dem Landwege. — Hauptboma Bana Heris bei Mlembule bleibt unentdeckt. — Besetzung von Mkwadja. — Anlage einer Station daselbst. — Vorstoß des Dr. Schmidt von Pangani nach Magila. — Einwohnerschaft auf deutscher Seite. — Buschiri im Innern isoliert. — Gerücht, Buschiri wolle sich mit Bana Heri und Simbodja verbinden. — Dr. Schmidt mit kleinem Expeditionskorps in Gewaltmärschen ins Innere, um Buschiri den Weg zu verlegen. — Einnahme des Dorfes Masiro. — Buschiri entkommt abermals. — Die Eingeborenen überall freundlich gesinnt. — Buschiri vom Jumbe Magaya gefangen. — Rückmarsch nach der Küste. — Buschiris Verhör, Verurteilung und Tod. — Die aufständischen Bagamoyo-Jumbes werden verurteilt. — Günstige Entwicklung der Verhältnisse auf den Küstenstationen. — Neue Rüstungen Bana Heris. — Rekognoszierungstour des Verfassers gegen Bana Heri im Hinterland von Sadani. — Angriff auf die Boma von Mlembule. — Rückmarsch nach der Küste. — Wißmann zieht alle verfügbaren Streitkräfte zusammen zum Angriff auf Bana Heri. — Mlembule in heftigem Gefecht erobert. — Bana Heri zieht sich nach Palamakaa zurück. — Einrichtung der Station Sadani unter dem Verfasser. — Rekognoszierungsexpeditionen unter von Gravenreuth und dem Verfasser. — Expedition des Dr. Schmidt zu Simbodja. — Anlage eines Postens am Kilimandscharo. — Gefechte um Palamakaa. — Eroberung der Boma. — Zersprengung der Macht Bana Heris. — Kleinere Expeditionen um Pangani. — Uebergabe Bana Heris in Sadani.

Die nächstliegende Aufgabe des Reichskommissars nach seiner Rückkehr aus dem Innern und nach Erledigung der laufenden Geschäfte war eine Revisionsreise an der Küste. Ihr Zweck war eine Besichtigung der Stationen, auf denen Wißmann durch den Augenschein sich von den inzwischen gemachten Fortschritten überzeugen wollte, um seine weiteren Pläne nach dem Zustande der Stationen und der etwaigen Notwendigkeit der Besetzung derselben einzurichten.

Das Ergebnis dieser Besichtigung war ein sehr erfreuliches. Überall war wie vor der Expedition so auch während derselben wacker an dem Ausbau der Stationen weiter gearbeitet worden; die Beziehungen der Stationschefs zur Bevölkerung waren im weiteren Umkreise auf einen Teil des Hinterlandes ausgedehnt, speziell das Hinterland von Bagamoyo und Daressalam war nach Besiegung der Mafitis vollkommen beruhigt. Wißmann konnte telegraphisch nach Berlin berichten, daß die große Karawanenstraße von Bagamoyo nach den Seen wieder für den Verkehr offen stände.

Nur im Hinterlande von Sadani ließen die Verhältnisse noch sehr vieles zu wünschen übrig. Hier hatte sich der bereits früher erwähnte Bana Heri, der Machthaber von Usegua festgesetzt, jeden Verkehr mit der Küste unterbrochen und brandschatzte die aus Unkenntnis den Sadani-Weg benutzenden Karawanen. Boten von Mpapua, die auf dem kürzeren Wege durch Usegua nach Bagamoyo gingen, Leute der französischen Mission wurden von ihm gefangen genommen und ihrer Waren beraubt. Später, nach der Einnahme der Hauptstellung Bana Heris fanden wir in seiner Hütte verschiedene von ihm abgefangene Briefe von uns und von der Station Mpapua vor. Selbst der Dhau-Verkehr vor Sadani und im Wami wurde durch Bana Heris Leute unsicher gemacht.

Major Wißmann beschloß daher ein abermaliges Vorgehen gegen Bana Heri und setzte den Beginn der Unternehmungen gegen ihn ursprünglich auf den 10. November fest; doch veranlaßte die Bitte der französischen Mission Wißmann, die Unternehmung schon früher zu beginnen, da die Missionsstation Mandera in Usegua von den Scharen Bana Heris aufs ernsteste gefährdet wurde.

Der Führer des Expeditions-Korps, Chef v. Zelewski, erhielt Befehl, mit dem aus vier Kompagnien formierten Korps direkt auf Mandera vorzugehen, sämtliche feindliche und befestigte Dörfer anzugreifen und zu zerstören, um dadurch Bana Heri seiner Stützpunkte im Hinterlande zu berauben, die Mission zu sichern und den Verkehr wieder zu ermöglichen. Dem Expeditionskorps wurde die früher bereits erwähnte Karawane der Wassukuma unter ihrem Führer Tscherekesa beigegeben, da dieser mit den erwachsenen Wassukuma sich bereitwilligst in gleicher Weise, wie es früher während des Aufstandes die Waniamuesi gethan, zur Verfügung der Deutschen stellte.

Während der Zeit der Anwesenheit der Karawane in Bagamoyo hatte Tscherekesa Gelegenheit gehabt zu sehen, daß gute von ihm geleistete Dienste von uns anerkannt wurden, daß es die erste Aufgabe des Reichskommissariats in jener Zeit war, Handel und Wandel nicht nur an der Küste, sondern besonders im Hinterland an den großen Karawanenstraßen wieder zu heben, daß er somit seinen Vorteil auf unserer Seite zu suchen habe. Außerdem hatten die Wassukuma zu Bagamoyo vielfach Gelegenheit zu Verdienst. Besonders aber hatte die Art und Weise mitgewirkt, mit der es der stellvertretende Stationschef zu Bagamoyo, Hauptmann Richelmann verstanden, mit der Karawane und den Leuten umzugehen.

Das zwischen uns und den Wassukuma hergestellte gute Verhältnis war um so bemerkenswerter, als bei Ausbruch des Aufstandes gerade Tscherekesa, der Führer jener Karawane, sich bereit erklärt hatte, seine Macht auf die Seite der Rebellen zu stellen. — Daß bei dem Entschluß Tscherekesas, unter Zelewski nach Usegua mitzuziehen, auch zum großen Teil Rücksichten auf Gewinn, auf gute Beute und Plünderung mitsprachen, ist ja natürlich.