Die Nacht verlief ohne den erwarteten Angriff. Wie sich später herausstellte, waren die Mafiti, nachdem sie sich von ihren ungeheuren Verlusten überzeugt hatten, in wilder Flucht und ohne anzuhalten, bis nach den Kingani-Furten geströmt und dabei noch zum Teil von der Abteilung Richelmann, die in Dunda stehen geblieben war, beschossen worden.

Am nächsten Morgen kam die Abteilung Gravenreuth endlich dazu, nach 24stündigem Fasten an ihres Leibes Notdurft und Nahrung zu denken. Die im Lager erbeuteten Ziegen waren in der Nacht, da sie zu großen Lärm machten, abgestochen worden und wurden nun von den ausgehungerten Soldaten verspeist.

Nach dem Abkochen marschierte Gravenreuth nach Bagamoyo weiter. Es zeigte sich, daß thatsächlich die Mafiti schon bis in die Nähe von Bagamoyo gestreift hatten, denn auch dort waren Felder und Äcker verwüstet und Leichen von Ermordeten, wenn auch nicht mehr in so großer Zahl, gefunden worden.

Gegen Mittag kam die Abteilung in Bagamoyo an, wurde von der dort befindlichen Marineabteilung, die Bagamoyo besetzt gehalten hatte, aufs herzlichste begrüßt und beglückwünscht und von der Bevölkerung Bagamoyos und den dahin geflüchteten massenhaften Wasaramo mit stürmischem Jubel empfangen. Hier erfuhr v. Gravenreuth erst, daß Richelmann, der durch Brieftauben-Post mit Bagamoyo verbunden war, noch in Dunda stand, während von v. Bülow keine Nachricht vorhanden war. v. Gravenreuth gönnte seiner Abteilung nur bis zum nächsten Morgen Ruhe, deren sie sehr bedurfte, erneuerte die Munition und brach noch vor Tagesanbruch nach Dunda auf, um womöglich eine wirksame Verfolgung der Mafiti aufzunehmen.

In Dunda angekommen, fand er dieses von Richelmann besetzt, auch war vor Kurzem die Abteilung Bülow, die nicht halbwegs Madimola, sondern ganz dorthin marschiert war, da der Befehl falsch oder undeutlich geschrieben war, dortselbst angelangt. Die Patrouille mit den Befehlen an Hauptmann Richelmann war, wie schon erwähnt, nicht angekommen, sondern aufgefangen und versprengt worden.

In Dunda hatte der allgemein beliebte Schlachtenmaler Weidmann bereits Skizzen der dort stattgefundenen Szenen aufgenommen. Weidmann hat, nebenbei gesagt, nicht nur als Schlachtenbummler an zahlreichen der damaligen Gefechte teilgenommen, sondern sich in jeder Weise durch Übernahme der Proviantmeister-Geschäfte und andrer Funktionen nützlich zu machen gesucht.

v. Gravenreuth blieb mit der Hälfte seiner Abteilung und mit Richelmann in Dunda und ließ von dort aus die Kingani-Ebene absuchen, wobei noch verschiedene Mafitis in die Hände der Soldaten fielen. v. Bülow und v. Perbandt erhielten den Auftrag, die Mafitis bis nach dem mehrere Tagereisen entfernten Pangiri zu verfolgen. Doch wurde Pangiri trotz der anstrengendsten Eilmärsche bereits von den Mafiti verbrannt und seit kaum einer halben Stunde verlassen vorgefunden, ein Zeichen, welche Panik sich derselben nach dem Gefecht von Jombo bemächtigt hatte. Von dort marschierten die genannten Abteilungen nach Daressalam, ohne noch auf Mafiti zu stoßen, und bemerkten hier, daß die vor den Mafiti geflüchteten Wasaramo schon wieder zum Teil in ihre Dörfer zurückgekehrt waren.

Durch sein kühnes Vorgehen hatte Gravenreuth Buschiri abermals energisch zurückgeschlagen, Usaramo von der Plage der Mafiti befreit und der an der Küste eingerissenen Panik mit einem Schlage ein Ende gemacht.

Als Wißmann von Mpapua zurückkehrte — er war auf die Nachricht der Mafiti-Gefahr mit Dr. Bumiller und einer kleinen Abteilung dem unter Zelewski folgenden Gros vorangeeilt — empfing ihn die Siegesnachricht, welche im Verein mit dem, was er selbst im Innern erreicht hatte, einen wesentlichen Schritt vorwärts bedeutete und freiere Entfaltung aller Kräfte zuließ.

Indes konnte sich Wißmann nicht in jeder Weise mit Gravenreuths Vorgehen einverstanden erklären. Er mißbilligte entschieden die Teilung des Expeditionskorps in drei Kolonnen, von denen ja nur die eine wirklich hatte eingreifen können, während die Richelmannsche nur auf kleine und vereinzelte Trupps von Flüchtigen gestoßen war, und die dritte nur zur Verfolgung hatte verwandt werden können. Leicht hätte diese Schwächung bei der von Gravenreuth nicht geahnten Tapferkeit der Mafiti ihm verhängnisvoll werden können. Die Teilung erschien auch deswegen nicht angebracht, weil die Nachrichten über die Stellung der Gegner keineswegs so genau waren, daß man daraufhin hätte operieren können. Ein Vorgehen mit der gesamten Macht auf Jombo, allerdings vielleicht auf einem Umwege, um die Möglichkeit eines überraschenden Überfalls für sich zu haben, und dann in nächster Nähe des Feindes eine Teilung zum Angriff von verschiedenen Seiten her, wie es ja Gravenreuth mit seiner eigenen Kolonne gemacht hatte, wäre für das gesamte Korps das Richtigste gewesen.