Sofort wurden die Gewehre zur Hand genommen und Schiffsoffizier Wiebel mit einigen Leuten zur Bagage beordert. v. Gravenreuth ging mit der Abteilung v. Perbandt in die Postenkette. Von hier sah man auf einige 100 Meter Entfernung das befestigte Mafiti-Lager, auf welches v. Behr mit seiner Abteilung losging. Dieses Lager wurde, trotzdem fortwährend noch außerhalb befindliche Mafiti-Banden anstürmten, genommen. Dabei drangen die Mafitis wiederholt bis in die Schützenkette ein und stachen mit ihren Speeren Leute aus derselben nieder. v. Behr war schon vorher in der Nähe des erwähnten brennenden Dorfes auf eine Horde Mafiti gestoßen, hatte sie aber sogleich mit einigen Salven begrüßt und nach dem jetzt eroberten Lager vor sich hergetrieben.
Mittlerweile war die Kolonne bei der Bagage unter dem Schiffsoffizier Wiebel in eine bedenkliche Lage gekommen. Die Mafiti hatten bereits einige von den wenigen Soldaten verwundet und drangen hart auf dieselben ein, um sich der Bagage zu bemächtigen. v. Gravenreuth, der das fortwährende Feuern von dort hören konnte, schickte daher Lieutenant von Perbandt mit einer kleinen Abteilung zurück, um Wiebel zu entsetzen und die Bagage heranzuziehen.
Lieutenant von Perbandt, der auf dem Wege dorthin fortwährend von Mafitis umzingelt und belästigt wurde, kam noch gerade zur Zeit, um Wiebel aus fataler Lage zu befreien und die Bagage glücklich in das Mafitilager zu bringen.
Dort sammelte sich die ganze Abteilung Gravenreuth, und gerade wollten sich die braven Sudanesen und Zulus mit der näheren Besichtigung und Plünderung der Hütten beschäftigen, als schon wieder größere Haufen von Mafiti auf das Lager eindrangen. Araber und Belutschen beschossen aus weiter Entfernung mit ihren langen Flinten die sich rangierenden Soldaten.
Durch eine kleine Schlucht von den Deutschen getrennt, lag noch ein zweites kleineres Rebellenlager, welches aber ebenfalls bereits verlassen war.
Da für die kleine Gravenreuthsche Abteilung das zuerst genommene Lager zu groß zur Verteidigung gegen die nachdrängenden Mafitis war, wurde dasselbe in Brand gesteckt und das andere bezogen. Auch hierhin drängten die Mafiti nach, wurden aber durch einige Salven verscheucht und hielten sich nun in respektvoller Entfernung in kleineren und größeren Trupps, die Abteilung Gravenreuth beobachtend.
In dem genommenen Lager waren verschiedene gefangene Wasaramo, Männer und Weiber, von Gravenreuth befreit und einiges Rindvieh erbeutet worden. Außerdem fanden sich in der Hütte Buschiris Briefe an die umwohnenden Häuptlinge vor, worin er dieselben aufforderte, mit ihm vereint am folgenden Tage Bagamoyo anzugreifen.
Die Mafiti, die mittlerweile durch die große Menge von Toten und Verwundeten, die sie auf dem Platze gelassen hatten, überzeugt worden, daß ihre Schilde aus Rinds- und Zebrahaut doch nicht einen Schutz gegen die deutschen Geschosse, wie ihnen Buschiri weiß gemacht hatte, gewährten, und welche außerdem all ihr zusammengestohlenes Gut in Flammen aufgehen sahen, zogen sich nach dem Kingani zurück. Buschiri konnte sie nicht zu erneutem Ansturm sammeln.
Mittlerweile hatte sich bei der Abteilung Gravenreuth herausgestellt, daß für den Mann nur noch 5 Patronen vorhanden waren und Gravenreuth beschloß deshalb, sich näher an Bagamoyo heranzuziehen, da er für die Nacht einen neuen Angriff der Mafiti befürchtete. Nach etwa einstündigem Marsche, — die Dunkelheit fing bereits an, einzubrechen, — kam von flüchtigen Wasaramo die Meldung, daß zwischen Bagamoyo und der Abteilung sich noch Mafiti-Horden aufhielten. v. Gravenreuth, der die Abteilung nicht der Gefahr aussetzen wollte, im Busch von den gemeldeten Mafitis bei Dunkelheit überfallen zu werden, bezog eine günstige Position, und zwar bivouakierte die ganze Abteilung in Schützenlinie, die Europäer auf Posten, die Nacht hindurch jeden Augenblick einen Angriff erwartend.
Die Soldaten waren dermaßen erregt, daß in der Nacht auf jedes Geräusch, sei es auch durch einen Schakal oder eine Hyäne verursacht, Salven abgegeben wurden. Nur unter großer Mühe der Europäer konnte dem Geschieße ein Ende gemacht werden.