Die Abteilung legte in zwei Tagen fast 100 Kilometer zurück. Unterwegs empfing von Gravenreuth verschiedene Meldungen über die Stellung Buschiris, welche alle mit mehr oder weniger Bestimmtheit Wasinga als das Hauptlager Buschiris angaben. Gravenreuth forderte die flüchtigen und in den verschiedenen Ortschaften ansässigen Wasaramo auf, seine Abteilung zu begleiten, verteilte auch einige dazu mitgenommene Gewehre und forderte von den Wasaramo, daß sie nach eventuellem Gefecht ihm bei der Verfolgung der Mafiti behilflich sein sollten. Im Lager am Kingani waren bereits etwa 600 Wasaramo, welche das Gefecht mitmachen wollten. Von diesem Lager aus wurden Patrouillen an die Abteilungen Richelmann und von Bülow geschickt, welche diesen mitteilen sollten, daß Buschiri in Wasinga stände, und dieselben beorderten, dorthin aufzubrechen. Diese Patrouillen kamen jedoch nicht an, sondern wurden zum Teil versprengt, zum Teil von Mafitis aufgegriffen, so daß die Meldung nicht in die Hände der betreffenden Unterführer gelangte.

Gravenreuth brach in der Nacht von genanntem Lager auf, um sich direkt nach Wasinga zu begeben. Auf diesem Wege schon traf die Abteilung auf Zeichen, daß die Mafiti-Horden denselben Weg vor kurzer Zeit marschiert waren: Dörfer waren zerstört, Felder verwüstet, die Kokospalmen vernichtet. Massenhaft wurden Leichen von Weibern, Kindern und Männern vorgefunden, zum Teil in der gräßlichsten Weise verstümmelt.

So fand die Abteilung an Bäumen aufgehängt Kinder, unter deren Köpfen man Feuer angemacht und die so langsam zu Tode geröstet waren, Weiber mit abgeschnittenen Brüsten und sonstigen ekelhaften Verstümmelungen; Männer hatten zum Teil als Zielscheibe von Messern und Lanzen gedient und hingen zerfetzt an Büschen und Bäumen; Kinder lagen mit zerschellten Schädeln neben ihren toten Müttern: die ganze Gegend war in einen Pest- und Leichengeruch gehüllt. Durch den Anblick dieser Scheußlichkeiten wurden sowohl Europäer wie schwarze Soldaten, ja sogar die Zulus, deren Kampfesart noch am meisten derjenigen der Mafitis ähnelt, so entrüstet, daß sie alle kaum erwarten konnten, den Mafitis im Kampfe zu begegnen und die unschuldig hingemordeten Wasaramo zu rächen. Auf die begleitenden Wasaramo hatte der Anblick einen derartigen Eindruck gemacht, daß nach Verlauf von wenigen Stunden kein einziger dieser tapferen Bundesgenossen mehr zur Stelle war.

Des Morgens gegen 10 Uhr wurde Wasinga erreicht, ohne daß eine Meldung der Abteilung Bülow oder Richelmann eintraf. Wasinga wurde stark befestigt, aber bereits von Buschiri und den Mafitis verlassen vorgefunden. Im Schutze des Ortes lagen die Reste eines ungeheueren Feldlagers, welches auf eine nach Tausenden von Mafitis zählende Menge schließen ließ.

Die Abteilung marschierte nun weiter auf Jombo und hatte beinahe schon die Hoffnung, mit Mafitis zusammenzutreffen, aufgegeben, da die Meldung zu bestimmt auf Wasinga hindeutete.

Der Tag war ungeheuer heiß, Wasser war auf dem ganzen Wege nicht zu finden, und der permanente Leichengeruch wirkte beklemmend auf die marschierende Abteilung. Gegen 12 Uhr wurde eine kurze Mittagsrast unter 2 Mango-Bäumen, die den Verwüstungsversuchen der Mafiti Widerstand geleistet hatten, abgehalten. Hier traf die Abteilung auf einen kleineren versprengten Trupp der Kolonne Bülow, welcher angab, daß Bülow sich in nächster Nähe befinde. Die Meldung erwies sich jedoch als falsch, vielmehr stellte sich heraus, daß der türkische Offizier und seine Leute ohne Erlaubnis aus Schlappheit von der Kolonne zurückgeblieben waren. Genannter türkische Offizier erhielt den Befehl, zur Abteilung Bülow zu marschieren und demselben anzubefehlen, an seinem Platze zu halten, bis die Abteilung Gravenreuth herankäme.

Noch war die Patrouille kaum eine halbe Stunde abmarschiert, als in nächster Nähe des Rendezvous-Platzes Lärm ertönte und Schüsse fielen. Atemlos stürzte ein Mann der Patrouille herbei und meldete, daß eine Horde Mafitis dieselbe überrumpelt, zwei Mann getötet und einen mit der Lanze verwundet hätte.

Herr v. Gravenreuth befahl sofort an die Gewehre, Lieutenant von Perbandt übernahm die Avantgarde, die Herr von Behr bald darauf verstärkte. Die Abteilung stieß auch bald auf vagabondierende Mafiti, die jedoch nach einigen Salven unter Zurücklassung von 10 Toten das Weite suchten. Gravenreuth folgte den weichenden Mafitis, doch war bald jede Spur derselben verschwunden, und wurde der Marsch auf Jombo und Bagamoyo fortgesetzt.

Gegen 4 Uhr nachmittags traf die Kolonne in einem Palmen-Wäldchen ein, in welchem v. Gravenreuth sich entschloß zu lagern, um der mittlerweile ganz erschöpften Truppe Ruhe zu gönnen. In der Nähe des Platzes stand ein Dorf in Flammen, und wir glaubten, daß die Abteilung Bülow auf den Feind gestoßen sei. Lieutenant v. Behr erhielt den Befehl, mit seinem Zuge dorthin zu marschieren, die Gegend zu rekognoszieren und Herrn v. Bülow mit seiner Abteilung zu Gravenreuth zu beordern. Es wurden Posten ausgestellt und Vorbereitungen für das Lager getroffen.

Bald jedoch ertönte aus der Postenkette wie aus der Abteilung von Behr lebhaftes Gewehrfeuer. Auch die lagernde Abteilung sah überall im Grase auftauchende, mit kriegerischem Kopfputz geschmückte, nackte Gestalten.