Major v. Wißmann sammelte daher an diesem Platze die Truppen der rechten Kolonne und gab Befehl, auf das hörbare Salvenfeuer der linken Flügelkolonne hin zu marschieren. Eine Orientierung nach Sicht war vollständig ausgeschlossen, denn auch die mit Pallisaden umschlossenen, zahlreichen inneren Höfe der Boma waren dicht mit Bananen bestanden.

Die Vereinigung mit dem linken Flügel gelang glücklich, denn um 11 Uhr 30 Minuten vormittags langte Wißmann unter fortwährenden Gefechten mit der Tête seiner Abteilung auf einem freien Platze innerhalb der Boma an, den kurz vorher die 3. Zulukompagnie erreicht hatte. Diese Kompagnie, ursprünglich auf dem linken Flügel befindlich, war ebenfalls auf die Boma gestoßen und zwar auf einen ganz besonders stark befestigten und verbarrikadierten Teil derselben. Auch hier hatte sich überall der Feind dem weiteren Vordringen entgegengestellt, und konnte aus der Heftigkeit des geleisteten Widerstandes geschlossen werden, daß hier die Hauptverteidigung der Boma zu suchen wäre. Dieser erste Abschnitt des Gefechtes, d. h. bis zu dem Zeitpunkt, wo sich beide Abteilungen auf dem freien Platze trafen, hatte etwa zwei Stunden gedauert.

Die eingetretene Gefechtspause wurde zum Verbinden der Verwundeten benutzt, die der vorrückenden Truppe nachgetragen werden mußten, da sie sonst unfehlbar in die Hände der erbitterten Gegner gefallen wären. Bis jetzt stellte sich deutscherseits der Verlust auf zwei Tote und elf Verwundete, unter letzteren auch zwei Europäer, Feldwebel Nowack und Unteroffizier Witte. Der gegnerische Verlust ließ sich zur Zeit auch noch nicht annähernd feststellen.

Bald wurde vom Feinde, dem das Zeugnis einer beharrlichen Tapferkeit und Kühnheit ausgestellt werden muß, das Gefecht wieder aufgenommen. Das aus nächster Nähe von mehreren Seiten abgegebene Feuer bedingte, den ungedeckten freien Platz zu verlassen und entweder das Gefecht für heute abzubrechen, oder aber die Hauptbefestigung, die bisher noch völlig unbetreten war, zu stürmen.

Wenn von Wißmann sich für den Abbruch des Gefechtes und Fortsetzung desselben am nächsten Tage entschied, so war für seine Erwägungen weniger die Rücksicht auf die schon stark ermatteten Truppen, als der Umstand maßgebend, daß die Wadschagga-Krieger zu einer späteren Verfolgung des Feindes nicht zur Hand waren. Nachdem von der Artillerie noch einige Granaten aus dem 4,7 cm Schnellfeuergeschütz in die Befestigung hineingeschleudert waren, wurde der Rückzug nach der vorher geschilderten Anhöhe angetreten.

Der Rückmarsch ging auf demselben Wege von statten, den die 3. Zulukompagnie beim Eindringen in die Boma genommen hatte. Große Schwierigkeiten machte der Transport der Verwundeten und Toten, sowie das Tragen der beiden Geschütze.

Nach Ankunft auf der freigelegenen Höhe befahl Wißmann die Besetzung der dort befindlichen Schützengräben. Die drei Kompagnien lagen nebeneinander, Sudanesen auf dem rechten, 3. Zulukompagnie auf dem linken Flügel. In der Mitte waren die beiden Geschütze in Stellung gegangen, weiter hinter der Front hatte der Arzt seinen Verbandplatz angelegt.

Schon die Arrieregarde wurde bei ihrem Abzug vom Feinde bedrängt. Um 1 Uhr nachmittags ging er seinerseits zum Angriff gegen die von den Deutschen genommene Stellung vor. Ein weiteres Vordringen wurde ihm jedoch alsbald durch die massenhaften Verluste verwehrt, die die Kiboscholeute durch das in Thätigkeit gesetzte Maxim-Gun erlitten.

Ferner traf Wißmann die Anordnung, daß sämtliche Europäer ein wohlgezieltes Schützenfeuer unterhalten sollten, während dessen die schwarzen Soldaten mit Gewehr im Arm im Graben ruhten.

Bis etwa 4 Uhr nachmittags dauerte das gegenseitige Schützengefecht, welches den Kiboscholeuten die empfindlichsten Verluste beigebracht hat. Die relative Ruhe, die dann eintrat, wurde gegnerischerseits nur durch einige Wagehälse gestört, die sich an die deutsche Stellung heranschlichen, ihre Gewehre losknallten und ebenso schnell, wie sie gekommen waren, wieder verschwanden.