Offenbar handelte es sich hier jedoch nur um eine vorgeschobene Stellung, denn der Gegner räumte dieselbe, als von der vorn befindlichen Sudanesen-Kompagnie jenes im übrigen wirkungslose Feuer mit einigen Salven erwidert war.
Der Vormarsch wurde fortgesetzt. Als der soeben vom Feinde verlassene Berg erreicht war, hatte man abermals einen Höhenrücken vor sich, welcher, von beträchtlicherer Höhe als die zuletzt passierten, mit dichtem Bananenwalde bestanden war. Von dort aus war das Kriegsgeheul einer zahlreichen Menschenmenge deutlich hörbar, auch konnte man aus den Baumspitzen heraus einen Signalmast mit roter Fahne erkennen. Major v. Wißmann schloß aus diesen Anzeichen, daß dort der Hauptwiderstand des Gegners zu suchen wäre, wenngleich man von der angekündigten und beschriebenen Verteidigungsboma nichts erblicken konnte.
Nachdem die Truppen sich hinter der Anhöhe gesammelt hatten, gab Wißmann seinen Gefechtsbefehl derart, daß auf die vorliegende feindliche Stellung ein direkter Vorstoß in zwei Kolonnen gemacht werden sollte.
Rechter Flügel: 1. Sudanesenkompagnie, Artillerie; 2. Zulukompagnie.
Linker Flügel: 3. Zulukompagnie.
Die Bagage erhielt Befehl, auf dem rückwärts gelegenen Bergrücken zu halten, woselbst sich auch die Wadschaggakrieger sammeln sollten; das Sanitätsdetachement folgte der vorrückenden Truppe. Beide Kolonnen traten gleichzeitig den Vormarsch an.
Mit vorgenommenen Schützenlinien wurden die Truppen die steile Schlucht hinuntergeführt und klommen an der andern Seite durch den Bananenwald wieder herauf. Hier empfing sie ein heftiges Feuer des Gegners aus ziemlicher Nähe. Die ersten Verluste waren zu verzeichnen.
Nach Ersteigen der halben Anhöhe gelangten die beiden Kolonnen an die bis dahin dem Auge völlig entzogene Boma des Feindes. Die letztere war umgeben von einem 3 m breiten und 5 m tiefen Graben, an dessen jenseitigem Rande sich eine starke Pallisadenwand erhob. Der innere Teil der Boma bot ein so vollkommenes Gewirr von Gräben, Pallisaden, Hecken, verrammelten Thoren, Fallgruben und sonstigen Hindernissen, daß eine Orientierung in diesem Labyrinth für einen Fremden völlig unmöglich war. An der Herstellung und Vollendung der gedachten Verteidigungsanlagen müssen die Kiboscholeute schon Jahrzehnte gearbeitet haben. Die Befestigungen waren nicht nach einem bestimmten Plane angelegt, sondern sichtbar allmählich entstanden. Jedenfalls boten dieselben ein ernstes Hindernis.
Es war erklärlich, daß bei dem Eindringen in die Boma die Verbindung der beiden Kolonnen verloren ging; dieselben vereinigten sich erst wieder im späteren Verlaufe des Gefechtes.
Auf dem rechten Flügel, den Major v. Wißmann in Person befehligte, waren die vorn befindlichen Sudanesen zuerst in die Boma eingedrungen; die große Ausdehnung der Befestigungsanlagen machte es bald nötig, auch die zweite Zulukompagnie in das vordere Treffen hineinzuziehen. Die rechte Flügelkolonne tastete, dem zerstreut fechtenden Gegner folgend, um den äußeren Rand der ganzen Boma herum, bis sie ungefähr den östlichsten Teil — der Anmarsch geschah von Westen nach Osten — erreicht hatte. Der sich entgegenstellende Feind, welcher häufig auf 20 bis 30 Schritte von irgend einer Hecke her sein Feuer abgab, wurde an allen Punkten zurückgeworfen, nirgends wurde noch einheitlicher Widerstand geleistet.