Jeder der neuen Bundesgenossen erhielt, um ihn vom Feinde unterscheiden zu können, eine weiße Binde um den Oberarm, außerdem wurden sie angewiesen, auf etwaigen Anruf mit »Mandara« zu antworten. An die einzelnen Haufen wurden schwarz-weiß-rote Fahnen ausgegeben, jeder Haufen wurde von einem Führer befehligt. Das Kommando über jene Krieger wurde Herrn von Eltz übergeben, der sich durch die Führer mit den einzelnen Haufen verständigte.
Da Wißmann von vornherein beabsichtigte, nach erfolgter Niederwerfung Sinnas wieder nach Moschi zurückzukehren, wurde die mitzunehmende Bagage auf das mindeste Maß beschränkt. Außer wenigen Lasten für Proviant gingen nur noch Träger für die Geschütze und die Artilleriemunition mit.
Am 11. Februar 1891, nachmittags 2 Uhr, marschierten die Truppen, 300 Mann stark, von Moschi ab und bezogen abends um 6 Uhr an einem kleinen Flusse Lager im Walde. Die Nachrichten, welche hier über des Feindes Stärke und Stellung eingingen, waren, wie sich später herausstellte, teilweise unrichtig. Seine Stärke, die man auf 600 bis 800 Mann angab, entsprach zwar den thatsächlichen Verhältnissen, auch daß der Gegner fast durchgängig mit Gewehren, unter denen viele Hinterlader, bewaffnet sei, bestätigte sich. Hingegen war die Nachricht falsch, daß die Munition des Feindes sehr knapp bemessen und die von ihm angelegte Befestigung derart sei, daß sie nicht nur von den umliegenden Höhen eingesehen werden könnte, sondern daß auch der direkten Annäherung an dieselbe keine größeren Schwierigkeiten im Wege ständen. Gerade nach den letztgenannten Nachrichten konnte eigentlich niemand an ernsteren Widerstand denken.
Am 15. Februar 5 Uhr früh wurde in folgender Marschordnung aufgebrochen:
Vortrupp: 1. Sudanesenkompagnie, Artillerie;
Haupttrupp: 2. und 3. Sudanesenkompagnie, Sanitätsdetachement, Bagage mit Bedeckung.
Hinter der Bagage folgten die irregulären Haufen der Wadschagga.
Der Weg führte zunächst durch dichten Busch, der allmählich in schönen, hochstämmigen Wald überging. Dicht am Walde befanden sich zahlreiche, etwa 5 m tiefe und unten spitz zugehende Elephantengruben. Es erforderte die ganze Aufmerksamkeit der Führer, um diese sehr geschickt bedeckten Gruben aufzufinden und freizulegen, damit seitwärts vom Wege gehende Leute nicht in Gefahr kamen. Auf dem Wege waren ferner vom Feinde Beschwörungsmittel, sogenannte Daua, angebracht, meistens aus kleinen Erdhaufen bestehend, in welche Hölzchen oder Federn eingesteckt waren. Die abergläubischen Wadschagga machten immer große Seitensprünge, wenn sie an einer derartigen, verzauberten Daua anlangten, die schwarzen Soldaten indessen, an dergleichen schon von früher gewöhnt, schritten weniger rücksichtsvoll darüber hinweg.
Nach vierstündigem Marsche trat die Spitze der Kolonne aus dem Walde heraus und gelangte in die gut bebaute und bewässerte Landschaft Kiboscho. Das Gelände ist daselbst außerordentlich coupiert und bedeckt. Ein schmaler Bergrücken folgt dem andern. Der größte Teil derselben ist mit Bananen bewachsen. Da diese sehr eng zusammenstehen und von halber Höhe an mit üppigem Blätterwuchs geschmückt sind, verschließt ein derartiger Wald jegliche Übersicht, erschwert das Vorwärtskommen und bietet dem Gegner alle nur mögliche Deckung.
Beim Ersteigen des ersten Bergrückens fiel ein Schuß in der rechten Flanke, wahrscheinlich ein Signalschuß, dann war wieder Alles ruhig. Noch zwei weitere Höhen wurden erklommen, als die Spitze an einem Punkte anlangte, welcher einen freien Ausblick nach der nächstgelegenen Anhöhe gewährte. Die letztere war ganz unbewachsen; auf dem Rücken derselben befanden sich tief eingeschnittene Gräben, aus welchen heraus alsbald vom Feinde ein ziemlich lebhaftes Feuer eröffnet wurde.