Das Telephon

Ich sehe die Notwendigkeit des Telephons nicht ein. Es ist wie der Tango: eine Modesache – heute mit Jubel aufgenommen – jeder muß mitmachen; morgen ist sie vergessen. – Andrerseits weiß ich Fälle, wo sich das Telephon wirklich als praktisch erwiesen hat.

Ich habe einen Freund. Aus Rücksicht auf seine unbescholtene Familie will ich ihn nur kurzweg Riemer nennen. – Dieser Riemer kniff eines Tages sein Kindermädchen ins Bein.

Das war aber kein gewöhnliches Kindermädchen, sondern ein Fürsorgezögling des Pastors Brausewetter – fromm erzogen, von stahlstrenger Denkungsart – die ließ sich niemals ins Bein kneifen.

Und ging durch.

Nun waren Riemers zu Abend geladen. Doch wie konnten sie weg vom Haus, wenn das Kindermädchen nicht da war?

Riemer ist Ingenieur, Elektrotechniker. Er wußte sofort Rat: er schob die Wiege unters Telephon, tat dem schlafenden Säugling die Sprechmuschel auf die Brust – und Riemers gingen.

Sooft der jungen Frau den Abend über die Sorge um den Säugling aufstieg – ob es daheim auch ruhig schlafe, das süße Kind – ließ Frau Riemer sich telephonisch mit ihrem Haus verbinden und horchte hin.

Dreimal hörte sie die ruhigen Atemzüge ihres Kindchens. Als sie zum viertenmal hinhorchte, vernahm sie die geflügelten Worte des Kindermädchens: