Ehrfürchtig vor der Majestät des Todes teilte sich der Menschenhaufe, und ich stand dem Beamten Aug in Auge gegenüber.
„Postscheckkonto? Dös is Schalter Eins.“
„Nein,“ sagte ich, „es ist am Schalter Drei“
Laut § 6 des 1. Nachtrags zur Dienstvorschrift für Postämter ist bekanntlich jedermann verpflichtet den Beamten in schwierigen Postangelegenheiten ‚höflich, jedoch in aller Kürze Rat und Auskunft zu erteilen.‘ Diese humane Bestimmung bewährte sich wieder einmal aufs beste. Als der Beamte hörte, daß er wirklich das zuständige Forum wäre, holte er eine Reihe von Reglements, überzeugte sich durch Nachschlagen, daß er sich nicht auskannte, und fragte einen Kollegen. Der Kollege wußte natürlich nichts. Sie sagten, es gäbe keinen Postscheckverkehr.
Grade diesen Einwurf hatte ich erwartet. Lächelnd holte ich meine Zeitung hervor – darin stand alles haarklein so, wie ich es behauptet hatte. Da es ein Zentrumsblatt war, konnte der Beamte nichts entgegnen und befahl mir, in einigen Tagen wiederzukommen.
Ich kam wieder. Diesmal gelang es mir, die Sache soweit einzufädeln, daß ich meinen Namen auf ein Blatt Papier schreiben durfte, und man würde mich verständigen.
Schon nach überraschend kurzer Zeit rief mich ein Briefträger zum Herrn Amtsvorstand.
Ich rasierte mich, schlüpfte in meinen Gehrock, tat meine Mitgift in einen saubern Briefumschlag und ging.
Das Zimmer des Amtsvorstandes ist ein elegant, aber einfach ausgestatteter Raum mit einem hübschen Schreibtisch, einem diebssichern Kassenschrank und einem Kleiderständer. Zwischen den Fenstern grüßt uns das wohlgetroffene Porträt weiland des Prinzregenten, flankiert von brünstigen Hirschen. Unter den Gemälden steht ein braunes Ledersofa, auf dem ich aber nicht Platz nehmen durfte.
Der Herr Amtsvorstand ist ein bejahrter, ernster Herr mit angegrautem Haar und Bart, gütigen, doch energischen blauen Augen und einer Brille davor, die dem Besucher alsbald Respekt vor der Verantwortlichkeit des Amtes einflößt.