Ich wiederhole den Versuch, Geld von der Post zu erhalten, jede Woche. Ich sehe ja ein, der Versuch ist töricht. Doch das eben ist die Art der Verzweifelten, törichte Versuche zu wagen.
Die Regierung bleibt unbarmherzig. Die Einführung des Postscheckverkehrs war ein Teil der Finanzreform des Reiches. Man wollte Geld haben, und nimmt es nun den Ärmsten. Meine kargen, sauern Schriftstellerhonorare wird man der Entente überweisen. Und die deutsche Kunst gibt man dem Hungertuch preis.
Die Löwen des Professors Behn
Es wird hier nicht die Rede sein von Behns Löwen aus Porphyr, Marmor, Syenit, Fayence, Gips, Erz, Eisen, Porzellan und Sandstein – sondern von zwei wirklichen, lebendigen... eben: von Löwen schlechtweg. Aus allem möglichen Material hat Behn Löwen gehauen, gegossen, geknetet – ruhende, zornige, brünstige, sterbende Löwen – er hat aber auch zwei Stück selbst gefangen, nach München mitgebracht und jahrelang gehegt. Sie müssen nämlich wissen: Fritz Behn ist kein Professor mit Vollbart und Brille, er ist ein sehniger Sportsmann; nicht nur Bildhauer, nein, auch Afrikajäger.
Unten in der Villa Behn war der Zwinger, nebenan das Atelier – oben die Wohnräume. Unten knurrten in jener Faschingsnacht die Bestien und fletschten ihre Reißer – oben tanzte man Walzer, One-step und Tango. Es war im Tangojahr, Februar 1914.
Diese Nacht ist sehr unliebsam gestört worden; gegen vier Uhr nämlich stürzte Matthes, der Wärter, in den Salon und schlotterte und stotterte:
„Herr Professer! Auskummen saan s’.“
Nichts weiter.
Das Jazz war damals noch nicht erfunden – Behn in seinem Schrecken erfand es: er machte einen regelrechten, riesigen Jazzsprung nach dem Flur; kehrte mit einer Pirouette um ins ‚Saharazimmer‘ und raffte rasch zusammen: einen derben Strick; die Rifleexpreßbüchse; eine Handvoll Patronen.