„Was ist denn geschehen? Was ist los?“ schnatterten die Damen, riefen die Herren; einige wollten mit Behn.
„Ruhe! Nichts ist geschehen. Bitte: sofort zurück in den Tanzsaal! Niemand darf hinaus.“ – Frau von Pleininger, in Hermelin gehüllt, hatte eben mit ihrem neuesten Freund holländisch davongewollt, im Auto; Professor Behn hielt die Flüchtlinge unsanft auf.
Einen Herzschlag später stand Behn vor dem Käfig. Die Tür des Käfigs weit offen. Die Löwen weg.
„Sie werden im Garten sein...“ sagte sich Behn, glaubte sichs selber nicht und begann den Garten abzustöbern. Die Büchse hielt er schußbereit vor sich, den Finger am Züngel, und über der Schulter trug er den derben Strick.
Den Strick... hatte er in der ersten Verwirrung mitgenommen. Vor so viel Jahren am Taganjaka – ja, damals hatte er die Löwen mit eben diesem Strick gefangen, gewiß. Drei Eingeborne hatten mitgetan. Die Löwen waren jung und dumm gewesen, die Nigger erzgescheit. Heute aber? Die Löwen sind seither voll erwachsen. Es besteht nur Hoffnung, sie lebendig zu kriegen, wenn etwa der Wärter sie mit rohem Fleisch...
„Matthes! Matthes!! Wo steckst du?“
Prost Mahlzeit! Matthes war nicht da, der Lump; er hatte sich verkrochen.
Und die Löwen waren nicht im Garten; waren nirgends. Die erregte, die ängstliche, die schnatternde Gesellschaft konnte nach einer guten Stunde Zögerns, nach zahllosen Beteuerungen und Schwüren des Hausherrn die gastliche Villa verlassen. Sind die nach ihren Wagen gerannt, die Damen und Herren, an jenem Faschingsmorgen! Und haben tief aufgeatmet, als sie in den sichern Betten lagen. Frau von Pleininger hatte sich an ihren eignen Gatten geklammert; mein Gott – in der Panik.
Behn war allein.