„Nun...,“ antwortet Hensel, „... ich denk mir halt: ein Medaillon wär fein; vorn die Siegesgöttin...“

„Außerordentlich!! Vorn die Siegesgöttin?? Glänzend!! Das wird gemacht, das ist ein Hauptschlager, das ist Sensation. Sofort, auf der Stelle modellieren Sie die Siegesgöttin! Medaille – und gleichzeitig eine kleine Plastik. Vielleicht so...“ – (Kratz zeigt durch eine oszillierende Gebärde 15 bis 65 Zentimeter Höhe an und bleibt bei 40 fest.)

Hensel wendet ein: er müßte doch noch überlegen, ob...

Kratz aber ist elektrisiert. „Ach was,“ sagt er „– ich spreche heute noch mit Borscht“ (dem Herrn Oberbürgermeister) – „verlassen Sie sich darauf: Sie kriegen ein Atelier.“

Hensel ist wie vor den Kopf geschlagen. Ein Atelier? – für das Medaillönchen?

Kratz ist schon verschwunden.

— — —

Was dieser Kratz damals auf dem Rathaus gesagt und geschwafelt hat, wird ein ewiges Rätsel bleiben. Kratz selbst ist bekanntlich seit Jahren wegen unheilbaren Blödsinns unter Verschluß, und der Herr Oberbürgermeister erinnert sich des Vorgangs nicht mehr. Es wird ein ewiges Rätsel bleiben, warum, wieso...

Kurz, es kam plötzlich ein gewappelter Bote nach der Pension Schmal und begehrte den Bildhauer Georg Hensel zu sehen. Worauf er Henseln einen Dienstbrief übergab.

Inhalt: Der Magistrat der kgl. Residenzstadt München stelle Henseln für seine patriotisch-künstlerischen Zwecke unter dem Vorhalt jederzeitigen Widerrufs, vorerst für die Dauer der Schulferien den Fest- und Prüfungssaal der Schwabinger Mädchenhandelsschule zur Verfügung.