„Was sagen Sie nur, Herr Professor? Vetter Toni behauptet immer, die Grandeln wären nicht echt.“
„So?“ rief der Professor. – „Nicht echt?“ – Er schob die Brille in die Stirn und hielt sich die Brosche an die Nasenwurzel. – „Man müßte das Ding chemisch untersuchen: das Gold mit Hilfe einer Mischung von Schwefel- und Salpetersäure, dem sogenannten Königswasser – die organischen Bestandteile der Brosche mit...“
„Ha,“ unterbrach ich, „ich lasse mich von Vetter Toni nicht beleidigen. Die Grandeln sind echt. So lieb sie mir sind – als Andenken an meinen ersten Hirsch – ich werde sie erbarmungslos opfern. Bekanntlich,“ rief ich – und meine Stimme hatte hier ehernen Klang – „bekanntlich gibt es eine unwiderlegliche Probe: falsche Grandeln sind durch Feuer unzerstörbar, echte aber flammen auf und verbrennen.“
Ehe meine bestürzten Anverwandten noch ein Wort hatten erwidern können, zündete ich ein Streichholz an – ein Zischen, ein wenig Gestank – und die Grandeln waren gewesen.
Wie stand ich da? Ungefähr wie Mucius Scaevola. Oder wie Manlius Torquatus. Je 2,5 Zentimeter ein König.
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Aus dieser schlichten Begebenheit erklärt sich die eigentümliche Stelle in Professor Doktor Bechtels ‚Leitfaden der Zoologie,‘ 17. Auflage, München, 1921:
„Die Schneidezähne mancher Hirscharten (Cerviden) zeichnen sich durch leichte Brennbarkeit aus, was unter Umständen die Unterscheidung von Schädelresten der Gattung Cervus von denen andrer Wirbeltiere erst ermöglicht.“