Die Tantiemen aus meinem vor sechzehn Jahren verfaßten Lustspiel ‚Der Räuber von Crucina‘ schenke ich meinem Verleger – unter der Bedingung, daß er bei der Uraufführung persönlich die Titelrolle krëiere. Die im letzten Akt vorgeschriebenen Torturen müssen aber echt durchgeführt werden.
Viele meiner Bekannten waren Maler. Ich begnade sie nun mit den Bildern, die sie mir einst gestiftet haben. Doch soll jeder Maler ein von seinem Nebenbuhler gemaltes Bild erhalten.
Meinem Paten Paul Geier fällt jener schwersilberne Löffel zu, den er mir zu meiner Taufe gespendet hat. Der Löffel ist stark abgenutzt und schwärzlich. Er muß daher vernickelt werden, um genau so täuschend auszusehen wie damals. Zwei andre, mit R. v. D. gravierte prächtige Löffel hinterlasse ich meinem liebenswürdigen Gastfreund und Mäzen Rudolf von Delius. Er wird sie hocherfreut begrüßen, sie fehlen an seinem Dutzend.
Alle meine Kämme, Schwämme, Bürsten und dergleichen vermache ich Erich Mühsam, dem Münchener Freund und Kommunisten. Er möge sie nicht achtlos beiseitelegen, sondern die Gebrauchsanweisung, die ich für ihn verfaßt habe, lesen und beherzigen – dann wird er die Scheu vor Kamm und Seife bald überwinden. Credat experto.
Mein Patent als Freischwimmer hinterlasse ich der Kirche meines Heimatsortes.
Das Sterbequartal meines k. u. k. Pensionsanspruchs von 28 Gulden habe ich vor Jahren Herrn Moritz Knochenmehl verpfändet. Man bestreite es ihm nicht.
Ich wünsche, an meinem Rasiertag zu sterben – und bei heftigem Regen, jedoch ohne überflüssigen Pomp begraben zu werden. Drei oder vier Priester, etwas Chor und fünfzig bis sechzig Meter Vereine genügen mir. – Von Blechmusik hingegen sehe man ab; die Leute verlangen jetzt schon 20 M. pro Kopf und Bestattung – ein Preis, der in keinem Verhältnis mehr zu dem Vergnügen steht. – Am Grab möge Friedenthal jene Rede halten, die uns von frühern Trauerfeierlichkeiten her so vertraut ist.
Künstliche Blumen weise ich als gesundheitsschädlich zurück, andre Liebesgaben erbitte ich in bar. Meine treue Schreibmaschine soll, mit einem neuen Farbband gezäumt, hinter meinem Sarge hergeführt und dann mit mir bestattet werden.
Ich wünsche, in Deutschland begraben zu sein – meine Eingeweide aber bitte ich in meinem teuern Österreich beizusetzen. Die Leber, mein kostspieligstes Organ, händige man unserm Hausarzt aus, worauf er seine Diagnose vermutlich doch noch ändern und die ärztliche Praxis aufgeben wird.
Bezüglich meiner Grabstelle ordne ich weiter nichts an, ich zähle aber auf die Pietät meiner Erben, wenn ich erwarte, daß man mich neben meine letzte Geliebte, Frau......[C] betten wird. Sollte sich das nicht durchführen lassen, dann lege man mich zwischen meine literarischen Freunde Franz Blei und Karl Kraus. Man traue aber ihrer einfachen Versicherung nicht und überzeuge sich, am besten durch Beträufeln mit siedendem Siegellack, ob sie wirklich schon tot sind. Jedenfalls muß mein Sarg eine Vorrichtung erhalten zum Verriegeln von innen.