„Diese hier.“
„Mit Verlaub – was heißt das: diese hier?“
„Nun – ‚Das Plagiat‘ – eben diese, die hier gedruckt steht.“
Ich sah den Amerikaner starr an. Nicht ein Tropfen Blut kann in meinem Hirn geblieben sein. Ich fühlte deutlich, wie darin alle mühsam geordneten Begriffe mit einem Schlag in Verwirrung gerieten. Die Vergangenheit und die Gegenwart (ich hatte sie bisher immer in zwei Fächer verteilt gehabt) stürzten aus der obern Lade in die untere, brachen durch und bildeten mit meinem Gewissen einen dickflüssigen Brei. Die Großhirnrinde platzte der Länge nach – man konnte die stärksten patriotischen Empfindungen durch die Spalte stecken. Die Ursachen quollen über in das Fach ‚Nebenflüsse des Indus,‘ lösten die Raumbegriffe auf und überschwemmten die Ganglienzellen ‚Gesang‘ und ‚Botanik.‘
Mit dem letzten Rest von Besinnung, den ich eben noch retten konnte – etwa wie man einen fallenden Spazierstock auffängt – gelang es mir, ein Endchen Bewußtsein festzuhalten.
„Wissen Sie auch,“ rief ich, „mit wem Sie reden, Kolonel? Ich werde doch nicht Stoffe stehlen gehen? Mir fällt täglich beim Zähneputzen ein ganzseitig illustrierbarer Originalwitz ein. Ich schüttele Novellen aus dem Ärmel – verstehen Sie? Und aus dem andern Ärmel hochkomische Lustspiele in fünf Akten. Ich entwerfe zwischen Frühstück und Mittag einen Kolportageroman, zwischen je zwei Löffeln Suppe Balladen, dichte nachmittags lyrisch und gehe selten schlafen, ohne eine Jambentragödie an die Bühnen verschickt zu haben. Ich habe mehr Einfälle als andre Leute Sünden und könnte mit all dem literarischen Stoff, den ich jährlich unverarbeitet lasse, die Waisenkinder Ihrer Heimat bekleiden. Schlagen Sie sich also Ihre Idee aus dem Kopf, Kolonel! Ich habe noch niemals plagiiert.“
Mac Gee blieb kalt wie ein erfrorner Gartenlaube-Intrigant und antwortete:
„Sie verlegen sich aufs Leugnen? – Gut. Ich werde Sie öffentlich brandmarken.“
Ich erbebte.