Kaulbach, der Sarkast, antwortete gereizt:
„Bei Ihnen is es grad umgekehrt, Herr Professor Schwanthaler.“ (Schwanthaler hatte stets zahlreiche Aufträge auf Denkmäler.) „Sie sollten heiraten, dann könnt Ihre Witwe s Gschäft fortführen.“
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Schwind und Wilhelm Kaulbach hatten sich in einer Akademiesitzung überworfen und waren als Feinde voneinander gegangen. Die Zwietracht erregte Münchens Künstlerschaft aufs höchste. Alle Versuche, die beiden Herren zu versöhnen, blieben erfolglos.
Eines Tages saß Kaulbach mit ein paar Freunden im Hofbräuhaus – und wie sichs so trifft, ging er sich die Hände waschen. Vor der Tür traf er mit Schwind zusammen, der zu demselben Zweck gekommen war.
Der sonst so grobe Schwind trat zurück. „Bitte, Herr Direktor, Sie haben den Vortritt!“
„Oh, durchaus nicht,“ sprach Kaulbach, „unter keinen Umständen. Sie waren zuerst da.“
So komplimentierte man einander an das Waschbecken. So lang sich Kaulbach wusch, stand Schwind wartend dabei. Dadurch fühlte wieder Kaulbach sich verpflichtet, auf Schwind zu warten. Und endlich betraten die seit Jahren verfeindeten Meister versöhnt das Bräustübel.
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