Im alten München gabs eine sogenannte Lokalausstellung. Sie wurde nicht eben von den Besten beschickt.

Eines Tages traf Menzel auf der Durchreise in München ein. Professor Stieler suchte ihn im Gasthof auf und erfuhr zu seinem Erstaunen, Menzel wäre in die Lokalausstellung gegangen. Er fand ihn dort in Betrachtungen versunken vor einem recht uninteressanten Landschaftsbild.

„Sehen Sie,“ sagte Menzel, „wenn man sich nur recht bemüht, kann man in jedem Bild etwas Gutes finden.“

„Haben Sie auch hier etwas Gutes gefunden, in diesem Bild?“

„Ja,“ sagte Menzel. „Den guten Willen.“

*

Als Menzel in Berlin seinen achtzigsten Geburtstag feierte, da gab es allerhand Festlichkeiten auf der Kunstakademie: Abordnungen aller deutschen Schulen und Museen waren gekommen – die brachten Menzeln ihre Wünsche dar; der Kaiser hatte die Schloßgardekompagnie als Ehrenwache hingeschickt.

Am Abend ein Bankett im Kaiserhof: Prinzen, Minister, Exzellenzen ohne Zahl. Alles war pünktlich erschienen, nur einer fehlte: die Hauptperson, das Geburtstagskind, Exzellenz Menzel.

Bange zehn Minuten verstrichen; da schickte man einen Eilboten nach Menzels Wohnung.

Seine Exzellenz aber stand im Pelz, mit warmer Mütze vor dem Haustor; die dicken Handschuhe hatte er im Eifer abgelegt, den Pelz geöffnet – ein Dutzend Orden war sichtbar auf der Brust. Und der alte Menzel zeichnete und zeichnete das Hofgespann, das ihn holen gekommen war zum Jubiläumsmahl.