„Und ich Esel hab all mein Leben anständig gearbeitet.“
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Von Prinzen, Komponisten, Architekten, Tänzerinnen
Es gibt einen kleinen Prinzen, der sehr geschickt Silhouetten schneidet. Einmal gelang ihm ein besonders hübsches Stück – er klebte es auf einen Lampenschirm und brachte den Schirm heimlich, ganz heimlich, in Zivil zu einem Kunsthändler.
Der Kunsthändler verstand sofort, was der Prinz bei ihm suchte: nicht einen Geldverdienst, beileibe; sondern ein vom Rang des Herstellers unbeeinflußtes Urteil über den Scherenschnitt. Der Kunsthändler tat, als kenne er den Prinzen nicht, kaufte den Lampenschirm für einen guten Batzen und baute ihn mitten ins Schaufenster. Mein Gott: mit einer Hoheit muß man sich als Kunstkaufmann gut stellen.
Der Schirm mitten im Schaufenster fiel einem berühmten Komponisten auf; und als der Komponist gar flüstern hörte, wer... Kurz, andern Tags war der prinzliche Lampenschirm verkauft.
Der Komponist brachte stolz die Beute heim. Doch des Komponisten Gattin, weniger servil als der Gemahl, fand das Ding weit überzahlt; fand es überdies abscheulich – – und der Komponist war schließlich froh, das so umstrittene Kunstwerk mit Verlust weitergeben zu können – an einen konservativ gestimmten Freund im fernsten Vorort.
Hoheit ermangelten nicht, sich für das Produkt dero Hände auch fernerhin innig zu interessieren. Hoheit in Höchstihrer Eitelkeit umschlichen das Schaufenster des Kunsthändlers, fanden es leer – betraten den Laden – gaben sich huldvoll ‚zu erkennen‘ – hörten entzückt den Namen des berühmten Käufers und... sagten sich bei ihm zum Tee an ‚unter einem wohlbekannten Lampenschirm.‘
Ha, da mußte der Lampenschirm sofort wieder herbei – um jeden Preis.