Auf der Redaktion hielt man es zuerst für einen schlechten Spaß; doch erkannte man zum Glück bald den Schreiber.
„Na, dann ist ja leicht geholfen,“ sprach der Chef. „Wir lassen einfach unsern lieben Memminger rufen.“
O Verhängnis – Memminger hatte seinen freien Nachmittag.
In die allgemeine Ratlosigkeit platzte der jüngste Redakteur mit dem Vorschlag, das Zettelchen in die... Apotheke zu schicken; die Herren Apotheker wüßten sich ja aus den schwierigsten Handschriften einen Reim zu machen.
Gesagt, getan.
Und als eine Viertelstunde vergangen war und noch eine – da kam der bang erwartete Bote aus der Apotheke zurück. Und stellte stumm eine Flasche mit rötlichem Inhalt auf den Tisch.
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In München gabs einmal ein Bankett zu Ehren von Paul Heyse – ich glaube, an seinem siebzigsten Geburtstag – und wie das so zu geschehen pflegt, wurde unendlich viel geredet – von beamteten und nicht beamteten Persönlichkeiten.
Nach etlichen siebzehn Trinksprüchen erhob sich noch ein Student, um den greisen Dichter auch im Namen der Jugend zu feiern. Eine sehr schöne, wohlgemeinte Rede – doch sie hatte einen Fehler: kein Ende zu nehmen; und einen zweiten: sie war ein wenig durcheinandergeraten. Der arme Student, das war klar, hatte den Faden verloren und bemühte sich heiß, leider ohne Erfolg, ihn wiederzufinden.
Max Halbe saß dem Studenten gegenüber und hätte ihm gern einen Rat gegeben: doch um des Himmels willen endlich mit einem Hoch zu schließen. Diesen Rat kleidete Halbe in eine Gebärde, indem er, nach dem Studenten gewendet, immer wieder ermunternd sein Glas erhob.