In der Pause erschien der Vorstand mit düsterer Miene.
Wedekind – unschuldsvoll:
„Oh, hätten Ihre Damen doch nur ein kleines Weilchen überdauert! Jetzt kommt nichts Schlimmes mehr.“
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Ich saß nach dem Vortrag langelang mit ihm im historischen ‚Schwan.‘ Die arme schöne Frau Wedekind hielt wie eine Märtyrerin aus. („Tilly, du bist schläfrig – Kellner, noch eine Flasche Roten!“)
Da sprach Wedekind von seinem damals so schweren Kampf ums Dasein.
Ich warf flüchtig hin:
„Gehen Sie doch dem Publikum einmal, nur einmal entgegen! Machen Sie ein lustiges Stück – Sie werden reich werden und von nun an immerzu schreiben können, was Ihnen gefällt.“
Wedekind lächelte nachsichtig. „Das wäre unökonomisch. Ich müßte mich überwinden, um Geld zu verdienen, und dann erst dürfte ich das Geld wieder in Freude umsetzen. Diese doppelte Umsetzung wäre Kraftverlust. Lieber schreibe ich gleich, was mir gefällt, und habe meine Freude daran.“
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