„Weißt du, wer ich bin?“
„Nein.“
„Wie kommst du also dazu, ein Autogramm von mir zu verlangen?“
Das Bübchen schlug die Augen nieder und sagte:
„Ich bitte, der Kohn aus Horowitz hat auch eins.“
*
Gustav Meyrink bekam einmal – zu Beginn seiner Dichterlaufbahn, als er, weiß Gott, noch sehr, sehr wenig Geld verdiente – vom Steueramt den Auftrag, ein offenes Geständnis abzulegen, wie hoch sich sein Einkommen belaufe.
Meyrink, der in Gedanken immer in Indien lebt, murmelte ein Mantram, eine Zauberformel, und begann den Bogen auszufüllen.
Ich habe anderswo niemals Steuern bezahlt und weiß nicht, wie es da ist; bei uns in München gleichen die Steuerbogen der Spezialkarte einer hochkultivierten Ebene: unzählige Felder und Felderchen, durch saubere Linien begrenzt – ein Teil schraffiert, das sind dann die Forste; andre von breiten Kanälen umzogen, in der Mitte geteilt und kreuz und quer durchschnitten. Niemand kennt sich aus.
Auch Gustav Meyrink nicht. Er muß irgend was in die falsche Rubrik gesetzt haben – wahrscheinlich die Millionen seiner Träume – denn plötzlich sollt er 28000 Mark Steuer zahlen – viel mehr, als er jemals eingenommen hatte.