Der geringe Anschaffungspreis, die gediegene Ausstattung machen Roda Rodas Kondensationslexikon vollends zu einem unentbehrlichen Hausschatz der Familie.
Der Herausgeber kann nicht umhin, an dieser Stelle seinen Mitarbeitern gebührenden Dank zu sagen. Insbesondere waren das: für Botanik – Herr Sergeant Seif des Regiments Jäger zu Pferde; Ethik – Herr Albert Knetsche, Reisender in Herrensocken, Firma Ignatz Jerusalem & Sohn; Volkswirtschaft – Fräulein Ännchen Schnäbelein, Kindergärtnerin zweiter Klasse, bei Frau Schlächtermeister Rille, Knieritz bei Saabe, Kreis Thorn. – Heißer Dank gebührt auch dem Magistrat der Stadt München, der mich durch Darleihung eines Fahrplans der Elektrischen Straßenbahnen werktätig unterstützt hat.
A – von vorn der erste, von hinten gerechnet der letzte Buchstabe des Alphabets, kann in Verbindung mit andern Verschiedenes bedeuten. In der Musik ist schon das eingestrichene a ein sehr hoher Ton; wer ihn nicht singen kann, sollte sich garnicht erst darauf einlassen.
Abend – unregelmäßig wiederkehrende Unterhaltungsgelegenheit, beginnt zehn Uhr nachts und endet, je nach Stimmung und Verpflegsvorräten, zwischen drei und elf Uhr morgens. Manchmal fallen zwei Abende auf einen Tag, das wirkt dann sehr abspannend. Über acht bis zehn Abende in der Woche sollte der Jüngling nicht hinausgehen. – Der Abend gibt der Frau Gelegenheit, die
Abendtoilette anzulegen – eine Kleidung, die den Zweck hat, gewisse, durch Konvention bestimmte Körperteile unbedeckt zu lassen. Viel Takt und einige Erfahrung erfordert die Festsetzung der obern Grenzlinie einer Abendtoilette; ein Zoll zu hoch ist protestantisch, ein Zoll zu tief veranlaßt Pistolenforderungen.
Armut – der Mangel am Notwendigsten, Urvorwand der Wohltätigkeitsfeste. Eine Abart, die verschämte Armut, bringt in der Hand raffinierter Wohltäterinnen wahre Wunderwerke an Erpressungen zustande. Mit Recht hat ein berühmter Physiker sie den Voltagürtel des Vereinswesens genannt, da sie selbst das abgestumpfteste Mitleid zur Regsamkeit aufstachelt.
Arzt – der Mann, der einen nach eingehender Betrachtung eines Probefläschchens mit ernster Miene ins Bad schickt.
Bad – der Ort, wo man sie im Sommer kennen lernt, Sitz des
Badearztes – eines schönen Mannes mit Fußsackbart, der auf die Heilkraft seiner Quelle schwört und die Namen aller übrigen Kurorte und Quellen nur mit Abscheu in den Mund nimmt. Er verordnet das Wasser sowohl äußerlich wie innerlich – äußerlich gegen Gicht, Ruhr, Pest, Halsschmerzen, Brechreiz, Knochenfraß und Fettsucht; innerlich gegen alles übrige. Was immer einem fehlen mag, und wärs auch nur ein Tennispartner – der Badearzt verordnet einem Brunnen. Die männlichen Kurgäste belästigt der Badearzt gern mit Speiseverboten. Durch sein einnehmendes Wesen erübrigt er im Sommer so viel, daß er die Zeit vom ersten Frost bis zum ersten Hitzschlag in den unheizbaren Ländern (la Méditerranée, siehe diese!) verbringen kann.