Die Française ist eine akklimatisierte Quadrille mit One-step in der zweiten, Knutschen in der ersten bis fünften und fürchterlichem Geschrei in der vierten Tour. An einer gewissen Stelle wird nebenher gezischt. An einer andern Stelle schaufelt man die Damen hinüber und herüber. Dann läßt man die Damen wie Windmühlen rotieren. Endlich kommt das ‚Ausdrehen.‘ Man sieht: die Sache ist kompliziert und tourenreich. Wer die Française nicht auswendig kann, lasse sich garnicht erst darauf ein, wenn er sich Rüffel von Partnern und Nachbarn ersparen will.
Strenge Gesetze schreiben dem Ballbesucher auch das Benehmen zwischen den Françaisen vor: nach der ersten hat man die Tänzerin zu deutschem Sekt zu laden, nach der zweiten ins Kellergeschoß zum Bier, nach der dritten in die Grotte zu einer Erklärung.
— — — Wenn Sie aber, verehrte Berlinerin, auch jetzt, nach dem Krieg, noch auf Einhaltung des alten Bal paré-Zeremoniells rechnen, werden Sie bitter enttäuscht werden. Und wenn Sie hoffen, Künstler da zu finden: spinnen Sie ruhig das Techtelmechtel mit Ihrem Schieber weiter. Der Bal paré lebt nurmehr von seinem vergangenen Ruhmesschein – er ist nicht mehr; er ist gewesen.
Schön gewesen.
Schön wie du, Berliner Pflanze, als dich die Neugierde zum erstenmal nach München trieb, auf den Bal paré. O, wie brannten deine Lippen und wanden sich gleich Blutegeln – der Küsse gewärtig, die der Abend bringen sollte!
Als du hörtest, man müsse sich dekolletieren, erschrakst du. „Niemals,“ schworst du nachdrücklich; solche Schamlosigkeit machtest du nicht mit – du gingest ‚hochgeschlossen.‘
Und batest schon nach Neun um meine Nagelschere, um dir im Hintergrund der Loge dein Fähnchen bis zur siebenten Rippe auszuschneiden. So zogst du aus auf neue Eroberungen. Ich sah dich niemals wieder.
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Von der letzten Française stehen zwei Wege offen: ins Café Luitpold oder zum
Donisel.