Ich kann sagen, ich freue mich auf die gefleckte Hyäne. Wir haben da seit vielen Jahren die sogenannte Halbesche Kegelbahn, jeden Mittwoch bis gegen vier Uhr früh. Sooft ich von da heimkehre, findet meine Braut es unmoralisch. Vergeblich pflege ich darauf hinzuweisen, daß – im Sinne Kants wenigstens – die Moral an keine Tageszeit gebunden ist; es gehe nicht an, Handlungen, die um acht Uhr abend als einwandfrei gelten, von drei Uhr morgens an aus sittlichen Gründen zu verdammen. Ich finde für diese Beweisführung kein Verständnis bei meiner Braut. Angenommen nun, ich kehre um die bezeichnete Stunde zurück und führe dabei an einer Leine die gefleckte Hyäne: was wird meine Braut noch viel sagen können?
Ferner wünsche ich mir einen Ibis und ein Känguruh. Beides sehr intelligente, dressurfähige Tiere. Mit dem Känguruh ginge ich einkaufen. In Australien macht man das allgemein: das Känguruh trägt dann die eingekauften Gegenstände in der Bauchfalte nach Hause.
Den Ibis habe ich von jeher bewundert, wie er stundenlang beschaulich zuerst auf dem rechten und dann wieder stundenlang auf dem linken Bein stand. Ich würde ihn zum Butterstehen abrichten.
O, wären meine Mittel nicht so karg – die meisten Tiere fänden bei mir Aufnahme au pair. Leider ist ja nicht daran zu denken: das bescheidene Kamel nimmt mit einer Handvoll Datteln vorlieb; gut; woher aber Datteln nehmen? Selbst ein mittleres Nilpferd – ich sage noch nicht einmal eines von den größten – es würde mich in meiner bürgerlich dimensionierten Wohnung im wahrsten Sinn des Wortes an die Wand drücken.
So umfangreiche Tiere muß ich mir versagen. Doch es gibt kleinere, nicht weniger sympathische.
Da ist das Lama: wie treffend hat es immer meine Ansichten über die Vorübergehenden geäußert!
Oder der Schimpanse (wenn auch mit Kropf): er gleicht so täuschend meinem Freund, dem kleinen Hemmetsberger. Einmal kam meines Freundes Gattin nach Hellabrunn, blickte in den Baum und schrie plötzlich: „Hemmetsberger! Du – hier?“ – Ein andermal war der Schimpanse dem Affenhaus entlaufen, die Wächter verfolgten ihn. Hemmetsberger in seinem Autopelz ging nichtsahnend hin und ward gepackt. „Erlauben Sie,“ sagte er empört, „ich bin nicht der Schimpanse.“ „Das könnte jeder sagen,“ erwiderten höhnisch die Wärter. Zum Glück konnte Hemmetsberger sich legitimieren.
Der Paradiesvogel. Ich war dabei, als er entstand: Hagenbeck hatte 1173 ℳ 50 für einen Paradieshahn verlangt, loko Stellingen und ohne Gewähr. Unser junger Verein konnt es nicht erschwingen; man schmückte das Gesäß der Truthenne mit einem bunten Makartbukett, und sie machte sich prächtig.
So knüpfen sich für mich fast an jeden Insassen des Münchener Tierparks niedliche oder wehmütige Erinnerungen.
Nur das Stachelschwein möchte ich nicht mein Eigen nennen. Mein Gemüt ist so weich. Und sooft ich ein Stachelschwein sehe, steigt die fürchterliche Vorstellung in mir auf: wie mag es einer werdenden Stachelschweinmama zumute sein, wenn sie merkt, daß ihr Kind in verkehrter Lage liegt? Schon die Möglichkeit einer solchen Komplikation würde mir die Herzensruhe kosten.