Das Kunstvariété
Eines Tages erheischten meine Finanzen dringend der Ordnung. Eben zur rechten Zeit sprach draußen im Flur ein Herr vor und nannte sich Direktor Geißler.
Ich empfange Direktoren nur ungern. Was heißt überhaupt: Direktor? Was bedeutet es? Nichts. Direktor ist ein jüdischer Vorname, sagt man in Berlin. Gewöhnlich hat solch ein Direktor nicht einmal das Recht, sich selbst zu dirigieren.
Dennoch – diesmal war ich zu Hause und hatte es nicht zu bereuen.
Direktor Geißler war eine mittelgroße, kräftige Erscheinung mit reinem Kragen, kurzgestutztem Bart und einem Glasauge. Wohlwollend richtete er es auf mich, nachdem er Platz genommen hatte, und sprach:
„Sie werden bemerkt haben, Herr Roda Roda, daß das Variété von heute dem Verfall entgegengeht.“
„Dem Verfall, Herr Geißler? Die Leute machen doch faustdicke Geschäfte?“
„Sag ich doch,“ rief der Direktor triumphierend. „Leben wir denn in einer vernünftigen Zeit? In einer konsequenten Zeit? Wo man sagen kann: das und das ist gut, das wird bestehen? Nein. Die Welt ist ja verrückt. Heute so und morgen so. Zu Mittag himmelhoch jauchzend, am Abend verheiratet. Was eben noch gedeiht, wird im nächsten Augenblick zugrunde gehen. Darum, weil das Variété von heute voll ist, sage ich: es trägt schon den Keim der Pleite in sich.“
„Ach so?“