Sie hat mir gesagt... Da, stell' den Stock 'mal hin... daß sie bei einem Freunde zur Taufe gegangen sind...

Aber sonst, aber sonst? Sie sind doch neunzehn Minuten bei ihr geblieben?

Ja, ja, nur Geduld... es fällt mir schon bei. Zuerst also, sie machte mir die Thüre auf... Wenn ich ein Gespenst gewesen wäre, so hätte sie keinen größern Schrecken haben können, als da sie mein Gesicht erblickte... (Er fing an zu lachen und ahmte Henriettens Geberde nach.) – Fürchten Sie sich nicht, schönes Kind, sagte ich und nahm ihre Hand... Lassen Sie uns hineintreten.... Da bedeckten sich ihre Wangen mit dunkler Röthe, sie ging voraus, ohne meine Hand loszulassen, weil sie mich in dem Gange führen wollte, siehst Du, wie man's einem Greis thut... Ein artiges gesittetes Kind...

Das Sie liebt, das Sie schätzt, wie alle Welt, bester Oheim.

Ja wohl! sagte Margarethe leise im Dunkel des Vorzimmers.

... So kamen wir in das Wohnzimmer, wo sie beim Nähen saß und über eine Schwester und zwei kleine Brüder wachte, welche zu ihrer Seite schliefen... Bei unserm Eintreten wachte der Eine davon auf: – Sehen Sie danach, sagte ich da zu ihr, und wenn Sie fertig sind, so gehen Sie und rufen Sie Ihre Eltern: ich habe mit ihnen zu sprechen.

Sie sind nicht zu Hause, mein Herr, entgegnete sie und wiegte das Kind. Ich sage Dir Alles, wie Du siehst... oder soll ich mich kürzer fassen?

O nein, nein! Oheim!... Spotten Sie meiner nicht.

Das ist mir nicht lieb, versetzte ich... oder vielmehr das wird der Person nicht lieb sein, die mich herschickt... das arme Mädchen erröthete hier so, daß sie aufstand und sich abwendete, um auf's neue ihr Brüderchen zu wiegen, obgleich es diesmal sich nicht gerührt hatte. Als sie sich so meinem Anblicke entzogen, versetzte sie:

Sie werden erst gegen Mitternacht zurückkommen, Herr Tom; ich sage Ihnen das, damit Sie nicht zu lange vergeblich warten...