Freilich, es ist schon spät... Ich will also meinen Auftrag bis morgen verschieben... und wenn Sie, mein schönes Kind, erfahren haben, was es ist, so bitte ich um Ihre gütige Fürsprache... vorausgesetzt, daß... daß Sie uns geneigt sind und mir insbesondre... mir, der ich ruhiger stürbe, wenn ich zuvor das Geschick meines Julius mit dem Ihrigen verbunden sähe: sein Glück unter Ihrer Obhut und seine Jugend unter dem Schutz Ihrer verehrten Familie...

Bei diesen Worten erhob ich mich und stürzte mich in die Arme meines Oheims. Ich überhäufte ihn mit Liebkosungen, ohne Worte für die Gefühle, welche mein Herz überströmte, zu finden...

Nun, nun!... mein armer Julius... o, meine Perrücke!... meine Perrücke geht verloren!... laß mich doch ausreden... Du weißt ja noch nichts... da!... setz Dich ruhig hin... so... so...

Das junge Mädchen also erholte sich, sobald ich etwas deutlicher geredet hatte, vollständig: – Mein Herr, sagte sie zu mir mit fester Stimme, Sie werden keinen Zweifel hegen, daß ich Sie ehre und liebe... Ich bin von Ihren Worten tief ergriffen, aber in großer Verlegenheit, was ich antworten soll... Ich denke eben nicht an die Heirath, denn ich sehe gar mancherlei Hindernisse... (Na, entsetze Dich nur nicht gleich!) Ich gehöre meinen Eltern, ich bin ihnen nothwendig, ich will sie weder verlassen noch ihnen zur Last fallen... (So erschrecke doch nicht!) .... Ich werde mich nur mit einem Manne verbinden, der mich für Seinesgleichen achtet und meine Familie als die seinige annimmt, der mir sein Herz ganz und ungetheilt darbringt, wie ich ihm das meinige schenken werde. – Ich hätte mich nimmer versehen, daß ich dergleichen Dinge gegen jemand äußern würde; allein Ihr Alter und die Achtung, die ich vor Ihnen hege, ermuthigen mich. Uebrigens steht die Antwort meinen Eltern zu... Ich werde sie, wenn Sie es wünschen, von Ihrem Besuche unterrichten...

Wollen die Güte haben, theures Kind: morgen um zehn Uhr... Wie freut es mich, so viel Verstand und Tugend bei so jungen Jahren zu finden... und ich wünsche um so lebhafter, daß mein Neffe unter solchen Bedingungen, die ihm nicht schwer erscheinen werden, Ihnen gefallen möge... Eine große Ehre, mein liebes Kind... eine sehr große Ehre, in eine Familie einzutreten, wo so viele Tugenden zu Hause sind... und bereits in so zartem Alter... sein ganzes, ganzes Herz... (da hätte ich ihr können die Geschichte von der Jüdin erzählen) und zwar ein recht ehrliches Herz, dafür bürge ich Ihnen, mein Kind... das wohl begreift, welches Kleinod ihm anvertraut wird, unter welchen Bedingungen es das Glück empfängt, und wie daraus nur gegenseitige Liebe, gegenseitige Treue, gegenseitiger Eifer für alle Pflichten, die der Ehestand mit sich bringt, hervorgehen können... Hier ahmte mein guter Oheim mit aller Heiterkeit die Eheformel aus der Liturgie nach: Nicht wahr, Julius, das versprichst Du!!

Ja, ja, rief ich aus, und das vor Gott! vor Dir! mein vielgeliebter Oheim... vor Dir! Und ich überhäufte ihn auf's neue mit Liebkosungen, indeß die Alte sich die Augen trocknete. Er allein, der glücklich in dem Glücke war, das er stiftete, aber heiter wie stets, behauptete seine Ruhe und mischte in meine Freudenthränen einige liebevolle Scherzworte.


So wärest Du also vermählt, fuhr mein Oheim fort.

Wollte es der Himmel, guter Oheim! Und haben Sie sonst nichts mit ihr gesprochen?