Ich beschloß in mein Zimmer zurückzukehren, die Thür hinter mir zu schließen und mich mit mehr Eifer als je an die Arbeit zu machen, theils um meinen Geist von der beunruhigenden Furcht zu befreien, theils um Herrn Ratin für mich zu gewinnen, der ganz sicher mit meinem guten Benehmen zufrieden sein würde, wenn ich ihm einen tüchtigen Vorrath Arbeiten, sauber geschrieben, sorgsam gearbeitet, von dem vollkommensten Fleiße zeugend, vorlegte. Nur weil der Tag stark zu Ende ging, glaubte ich meine Rückkehr um einige Minuten verschieben zu müssen, damit mich die Dunkelheit vor den Blicken des Gefangenen verberge, wenn ich über das Dach zurückkehrte.


Ich benutzte diese Minuten, um meine Neugierde zu stillen. Nach kurzem Suchen fand ich das Bild an die Wand gelehnt und näherte es dem Fenster.

Es war beinahe vollendet. Die junge Miß saß in anmuthiger Haltung neben ihrem Vater und ihre zarte Hand ruhte nachlässig auf dem Halse des schönen Wachtelhundes. Alte Buchen umschatteten die Gruppe und durch eine Lichtung gewahrte man ein schönes Schloß auf einem Rasenplatze, von dem man über das Meer hinaussah.

Beim Anblick dieser ganz Anmuth athmenden, von einem rührenden Ausdruck von Milde und Schwermuth belebten Züge beseelten mich die zärtlichsten Gefühle, aber nur um augenblicklich wieder in den bittern Schmerz zu versinken, daß ich ihr nichts war, daß ich sie bald scheiden sehen würde. Aufs Seligste im Zauber ihres Blickes schwelgend, sagte ich bei mir: Warum, o warum bist du nicht meine Schwester! Was für einen guten, lieben Bruder solltest du an mir finden! Wie glücklich würde ich mit dir diesen Greis machen! Wie doch das Grün, wo ihr weilt, so schön ist.... wie reizend würden mir die Wüsten mit dir sein!.... Lucy!.... meine Lucy!.... meine Heißgeliebte!

Die Nacht war gekommen. Traurig riß ich mich von dem Bilde los und befand mich im Nu in meinem Zimmer, eben da man mir Licht und Abendessen brachte.