Eine Feile! rief ich, eine Feile! Halt! in meine Bibel...
Ich hatte eine Feile. Ich legte sie schnell in das Buch. Doch als ich alles mit einem Bindfaden zusammengebunden hatte, fiel mir der verzweifelte Gedanke ein, daß ich eingeschlossen war. Der Gefangene fuhr indeß fort zu jammern, und jeder Klagelaut, den er von sich gab, zerriß mein Herz. Schon dachte ich das Schloß meiner Thüre zu sprengen, als mich der Anblick eines Lumpensammlers, der die Straße daherkam, mit Entzücken erfüllte:
He! rief ich ihn an; binde dies an die Schnur, die da drüben an der Mauer herabhängt, geschwind, geschwind, es gilt einen armen Mann zu trösten.
Der Lumpensammler band das Bündelchen an und rasch stieg dasselbe in die Höhe. In demselben Augenblicke that sich meine Thür auf.
Es war Herr Ratin! Er fand mich über der Arbeit.
Gestern, sprach er zu mir, hab' ich in der Entrüstung, worein Deine Aufführung mich brachte, vergessen, Dir Arbeiten für die beiden Tage zu geben...
Ich habe gearbeitet, sagte ich zitternd.
Herr Ratin musterte die Arbeiten mit einigem Mistrauen, so neu erschien ihm der Vorfall. Als er sich jedoch überzeugt hatte, daß sie während meiner Gefangenschaft gearbeitet waren, hub er an: Ich lobe Dich, daß Du aus eigenem Antriebe die Gefahren des Müssigganges flohest; ein junger müssiger Mensch gibt nichts als verabscheuungswerthe Dinge an, denn er ist allen schlechten Gedanken preisgegeben, die in einem Alter wie das Deinige seinen unthätigen Geist bestürmen. Denk' an die Gracchen, die nur deshalb ihrer Mutter so viel Freude machten, weil sie schon im frühen Alter gesetzt und fleißig waren.