Kurz gefaßt! sage ich, wiederholte Herr Ratin; das gehört nicht zur Sache.
Verzeihen Sie, mein Herr, denn ohne die Sprödigkeit dieses Fräuleins und die Eifersucht der vier Liebhaber...
Julius! geh' einen Augenblick vor die Thür.
Ich ließ mich nicht bitten.
.... Alles wäre gut abgegangen, fuhr der Gefangene fort; sie miauten also auf die zärtlichste Weise, allein Mamsellchen hörte auf keinen und putzte sich das Gesicht mit ihren weichen Sammtpfoten; Sie hätten sie für Penelope unter ihren Freiern gehalten.
Nur weiter! sagte der Maler. Etwas schneller...
Ja weiter. Auf einmal nahm sich der eine Kater die Freiheit, seine Krallen über das Maul eines der Bewerber zu streichen; dieser nimmt das Ding schief, die andern mengen sich hinein, ple! pla! schallt das Signal: Krieg auf Leben und Tod! Und man sieht nichts mehr als einen wild durcheinanderfahrenden Tanz, Krallengriffe, Zähnefletschen, ein wahres Höllenkonzert. Während sie sich balgen, springt Penelope auf die Treppe, der ganze Tanz hinter her.... Ich habe nichts weiter gesehen. Allein nach dem jetzt entstehenden Gepolter zu urtheilen, mußten sie etwas umgeworfen haben, und dies auf etwas Andres gestürzt sein. Das war etwa um acht Uhr.
Ich fühlte mich durch den Dienst, den mir der Gefangene in diesem Augenblicke erwies, sehr gedehmüthigt, und dies um so mehr, als die dreiste Lüge nach so großer Frömmigkeit, dieser ausgelassene Ton nach so heftigen Schmerzen plötzlich die ganze Theilnahme, welche mir der Mann eingeflößt hatte, verscheuchten. Ich bin fest überzeugt, daß ich ohne die Anwesenheit des Herrn Ratin mich stark genug gefühlt hätte, ihn auf der Stelle Lügen zu strafen und dem Maler alles zu bekennen; aber es kam Liebe in meinem Verbrechen vor, und die große Schamhaftigkeit des Herrn Ratin erschien mir als ein unglücklicher Felsen, an dem ich unrettbar, bei dem geringsten Verdachte seinerseits, zerschellen mußte.