Mittlerweile fuhr eben der Wagen an dem Hause vor und die junge Miß und der Vater stiegen die Treppe hinan. Meine Sitzung! rief der Maler voll Verzweiflung. Gefangener, Ihr habt uns eine alberne Geschichte aufgebunden; da ist ein Bild, das hatte ich an die Wand gelehnt, und finde es jetzt auswärts gekehrt... oder drehen etwa die Katzen meine Bilder um?... Man ist eingebrochen; man ist durch's Fenster gebrochen.... Julius! was haben Sie gesehen?...
Julius! jag' den Hund hinaus, rief mir in demselben Augenblicke Herr Ratin zu.
Ich muß nämlich bemerken, daß der niedliche Wachtelhund in diesem Augenblicke den neuen Regenschirm des Herrn Ratin höchst neugierig anroch. Gleich war ich bereit, den Hund auf die Flur zu jagen und noch ein Stück weiter zu verfolgen, um dem Maler Zeit zu lassen, seine unselige Frage zu vergessen.
Als ich zurückkam, war er in der That mit dem Empfange seiner Gäste beschäftigt; er bat sie um Entschuldigung, daß er sie in einer so entsetzlichen Unordnung empfinge. Wenn Sie nicht morgen reisen wollten, bemerkte er, so würde ich Sie bitten, diese letzte Sitzung auf einen andern Tag zu verschieben. – Es ist leider unmöglich unsre Abreise zu verschieben, versetzte der Greis; aber ich bitte Sie, lassen Sie sich durch unsere Anwesenheit nicht abhalten, die augenblicklichen Nachstellungen, welche zur Entdeckung des Schuldigen unerläßlich sind, zu machen. Der Maler stieg also selbst auf das Dach, um die Wege zu untersuchen.
Glücklicherweise war Herr Ratin meilenweit von dem Verdacht entfernt, daß ich den geringsten Antheil an diesem Vorfalle haben könnte. Nachdem er seinen Schirm sorgfältig in das Futteral gesteckt hatte, trat er zu dem Tische, blätterte in meinen Büchern und bemerkte die Stellen, welche den Gegenstand meiner Arbeit bilden sollten. In Betracht der Arbeit, welche Du mir vorgelegt hast, hub er an, und in Betracht der bessern Sinnesart, worin ich Dich finde... hier trat der Maler ein und ganz und gar mit seiner Angelegenheit beschäftigt, rief er:
Haben Sie hier nicht eine Kammer.... ach! ja wohl, da! hätten Sie vielleicht die Güte, sie mir zu öffnen? Man hat nur von dort auf das Dach kommen können und wir werden entdecken, von wannen man in meine Kammer gedrungen ist. – Sehr gern, mein Herr, sagte Herr Ratin. Bei diesen Worten nahm er aus seiner Lade den Schlüssel und steckte ihn in das Schloß, das ich möglichst wieder in Ordnung gebracht hatte, indeß ich bleich vor Schrecken mit ungemeinem Eifer zu arbeiten schien.