Während die beiden Herren ihre Untersuchung anstellten, vernahm ich Lärm in dem Gefängniß. Leute redeten heftig, einige unheimliche Worte drangen zu meinem Ohre, die Schildwache stand auf der Lauer und ein paar Vorübergehende waren stehen geblieben, um den Ausgang dieses Vorfalls zu erwarten.

Da ist die Schnur! rief eine Stimme.

Die Feile! die Feile! rief eine andere Stimme; hier, schauet, unter diesem Steine.

Das ist wahrlich sein Taschentuch! sagte in demselben Augenblicke Herr Ratin. Wäre es möglich!.... Julius!


Die Thür stand offen. Vor Schrecken wankend, eilte ich hinaus, ohne eine andere Absicht, als mich für den Augenblick den schrecklichen Foltern der Furcht und der Scham zu entziehen. Kaum aber hatte ich hundert Schritte auf der Straße gethan, als ich mich umwandte und den ehrsamen Lumpenhändler bemerkte, welcher in unser Haus ging, um einem Beamten den Weg zu meiner Wohnung zu zeigen. Ich verdoppelte meine Schritte und sobald ich den Fuß um die Ecke der nächsten Straße gesetzt hatte, lief ich aus Leibeskräften bis zum Stadtthore und hier hinaus, nicht ohne die größte Furcht beim Anblick der friedlichen Gendarmen, welche hier Wacht hielten, zu empfinden.

Indem ich so hinlief, hatte ich Muße, über meine Lage nachzudenken, die mir höchst verzweifelt erschien. Wieder zurückkehren, das hieß jetzt nicht blos wieder in Herrn Ratins Hände fallen, sondern eben so gewiß mich den Gendarmen überliefern, und dieser Gedanke verursachte mir den entsetzlichsten Schrecken. Also von solchen Betrachtungen gejagt und von der Furcht aufs äußerste angespornt, lief ich in einem Zuge bis an eine Wiese bei Coppet, wo ich mich endlich auf fremdem Gebiet niedersetzte.