Hinter dem stillen Dorfe Allaman erblickt man rechts von der Straße prachtvolle Eichbäume, die den Saum eines großen Gehölzes bilden. Von ihrem Schatten aus streift der Blick über die ganze Fläche des Sees nach Wallis bis zu den majestätischen Gipfeln der Alpen. Oder nach Genf zu gewendet, ergeht er sich mild über eine Kette von sanften, ferngezogenen Hügeln, deren letzte sich in die Himmelsräume verlieren. Ich konnte dem Reize dieses schattigen Aufenthalts nicht widerstehen, ging hin und setzte mich nieder, um daselbst das Stück Schwarzbrod zu verzehren, womit die Bauern mich versorgt hatten.

Ich dachte an die Wonne, mich bald in die Arme meines Onkels werfen zu können; das Verlangen danach war so heftig, so ungestüm, daß mich bei dem bloßen Gedanken, dasselbe könne getäuscht werden, unbegrenzte Niedergeschlagenheit überfiel. Mein Oheim! mein theurer Oheim! rief ich aus tief ergriffenem Herzen; wenn ich dich nur sehe, mit dir spreche... mit dir beisammen bin...


In diesem Augenblicke fuhr ein Reisewagen auf der Heerstraße hin; sechs Postpferde zogen ihn, in ihrem Laufe lange Staubwolken aufwirbelnd. Der Postillon ließ seine Peitsche knallen, indeß die Dienerschaft nachlässig auf ihren Sitzen schlief. Dieser Wagen war etwa bereits zweihundert Schritte an dem Orte, wo ich saß, vorüber, als er anhielt, ein Diener niederstieg und auf mich zukam.

Ich wollte davonlaufen, da glaubte ich John, den Diener der jungen Miß, zu erkennen. Sind Sie, rief er mich an, der junge Mann, der gestern aus dem Hause an der Peterskirche verschwunden ist?

Ja, antwortete ich ihm.

So folgen Sie mir.

Wohin?

Zu dem Wagen. Ihr Lehrer ist in schöner Besorgniß!