Ich empfand ein großes Vergnügen, daß ich sie so nahe bei mir wußte, denn ich hatte schon gefürchtet, daß ich sie bis morgen verlieren würde. Ich brannte vor Begierde zu erfahren, was sie zu meinem Oheim geführt hatte und was sie in's Hospital führen mochte. Für den Augenblick aber fesselte mich das Verlangen, sie wieder herauskommen zu sehen; und ich legte mich in's Fenster und wartete, bis die Nacht gekommen war, da verlor ich die Hoffnung, sie heute noch zu sehen, und stieg eilig zu meinem Oheim Tom hinauf.


Er hatte bereits seine Lampe angezündet und ich fand ihn, wie er mit der größten Aufmerksamkeit eine Phiole mit bläulicher Flüssigkeit gegen das Licht beschauete. Guten Abend, Julius, sagte er, ohne sich stören zu lassen, setz dich, ich bin im Augenblicke fertig.

Ich setzte mich, voller Ungeduld, meinen Oheim zu fragen, und betrachtete die Bibliothek, die mir ein ganz andres Ansehen bekommen hatte. Mit höchster Achtung schaute ich auf die ehrwürdigen Bücher, die Geschwister jenes, welches ich unter ihrem Arme gesehen hatte, und die Gegenstände, die ich sah, die Luft, die ich athmete, erschienen mir anders, als ob der Besuch des Mädchens an diesem Orte Spuren ihrer Anwesenheit zurückgelassen hätte.

So! sagte mein Oheim; nun, Julius, du weißt nicht...

Nein, Oheim!...

Dank einem Mädchen, das hierher kam... Bei diesen Worten ging er zu seinem Tische, indeß ich mein Herz vor Erwartung klopfen hörte; jetzt kam er zurück:

Rathe... sagte er, als wolle er sich an meiner Ueberraschung weiden.

Ich war unfähig irgend etwas zu rathen.

Sie hat mit Ihnen von mir gesprochen? sagte ich mit steigenden: Spannung.