Jetzt war es wieder mit mir vorbei! Sie liest Hebräisch? Aber, Onkel... Dieser Gedanke war mir unerträglich.

Es hat mir ein ausgezeichnetes Vergnügen gemacht, sie den Psalm 48 in der Ausgabe von Buxtorf lesen zu lassen; ich hab' ihr auseinandergesetzt, indem ich die Varianten mit der Ausgabe von Crösius verglich, wie sehr der Buxtorf'sche Text vorzuziehen ist.

Das haben Sie ihr in der That gesagt? ihr?

Nun, das ist doch natürlich, denn ich sprach ja mit ihr.

Sie war hier, vor Ihnen, und Sie konnten ihr so etwas sagen!

Ei ja doch; übrigens konnte ich das, was ich ihr sagte, schwerlich einer Andern, als einer Jüdin sagen.

Sie ist eine Jüdin!


Ist es Anderen auch so gegangen, wie mir? Jüdin! schön und Jüdin! Ich fand sie darum gleich zehnmal schöner und liebte sie darum zehnmal mehr.

Es ist wol nicht ganz christlich, indeß muß ich versichern, daß es dennoch so war und daß der Reiz, den ich bereits an ihr gefunden, frischer wurde, lebendiger, als wären dieselben Gegenstände, welche ich an ihr geliebt hatte, auf einmal ganz anders und neu geworden.