So waren denn meine Fragen und Antworten für ihn im höchsten Grade unzusammenhängend und ich vernahm, daß er das Wort: Fieberphantasien flüsterte. Hierauf ging er fort. Gleich darauf rollte die Leiter; ich zitterte. Aber das war alles, was mir in der Lage, aus welcher ich gekommen, wieder vortheilhaft sein konnte. Ich machte unglaubliche Anstrengungen, um meinen Schlummer und den Traum wieder zu gewinnen. Umsonst. Ich konnte nicht einmal die Wirklichkeit, welche mich früher befriedigt hatte, wieder erhaschen: der Traum hatte sie verwischt, ohne daß ich sie wieder herstellen konnte; alles war leer und wüst. Nur erst als meine Gedanken sich auf den nächsten Morgen richteten, konnte ich das Bildniß meiner Jüdin, wie sie vor meinen Träumen war, wiederfinden. Ich stellte mir ihre Ankunft bei meinem Oheim in tausenderlei Weise vor und bildete die unsinnigsten Pläne, wie ich sie sehen, mit ihr reden, mich mit ihr bekannt machen könne.
Meinen Oheim entfernen... selber sie empfangen... mit Ihr sprechen... Aber was sollte ich ihr sagen? Zu wissen, was ich ihr sagen solle, war die erste Bedingung, um meinen Plan möglich zu machen; ich war darüber in großer Verlegenheit, denn zum erstenmale sollte ich von Liebe sprechen. Ich hatte als Vorbilder nichts als ein Paar Romane, welche ich gelesen hatte und in denen man mir so vortrefflich zu reden schien, daß ich daran verzweifelte, zu solcher Vollkommenheit zu gelangen.
O! wenn ich ihr nur den Zustand meines Herzens schildern könnte! rief ich aus. Ich glaube, jedes Mädchen würde die Gefühle, die ich für sie hege, entgegennehmen. Und ich sprang aus dem Bett, um zu versuchen, was ich ihr wol zu sagen vermöchte.
Das Licht wurde angezündet und mir gegenüber stellte ich einen Stuhl, und wandte mich an denselben. Ich sammelte mich einen Augenblick und hub dann folgendermaßen an:
Mein Fräulein!
Mein Fräulein? Das Wort gefiel mir nicht; ein andres? Ich konnte keins finden. Ihr Name? ich kannte ihn nicht. Ich dachte, wenn ich suchte... Ich suchte viel und lange. Nichts fiel mir ein, als »mein Fräulein.« Also gleich beim Anfange blieb ich stecken.
Aber ist sie denn ein Fräulein? Ist sie für mich ein Fräulein, wie die erste beste? Mein Fräulein! Unmöglich! Da müßte ich ja gleich hinterher den Hut ziehen und sagen: ich habe die Ehre u. s. w. Ich setzte mich höchst unzufrieden nieder.