Wol zehnmal begann ich, ohne etwas andres zu finden. Endlich beschloß ich dieser Schwierigkeit zu trotzen und dies Wort auszulassen, ich hob also mit leidenschaftlichem Tone an:

Sie sehen den vor sich, der nur für Sie leben, nur Sie lieben will.... Und von dieser Stunde.... schwöre ich Ihnen mit Herz und....

Ach! mein Himmel, das wird ja ein Vers! Ich bemerkte, daß ich auf einen schlechten Reim losrannte. Voll Verzweiflung setzte ich mich wieder.

Wie schwer ist es doch, seine Gefühle auszudrücken! dachte ich voll Bitterkeit. Was wird mir geschehen? Sie wird lachen... oder gar über meine Tölpelei mitleidig die Achseln zucken und ich bin verloren! Dieser Gedanke war mir entsetzlich und ich verzichtete bereits auf meinen Plan.

Indeß schwellten tausend Gefühle mein Herz, als suchten sie einen Ausweg, und ohne daß ich es wollte, kreuzten in meinem Kopfe eine Masse von Redensarten, Betheuerungen, leidenschaftlichen Anreden, unter deren erdrückender Last ich erlag.


Um mir Erleichterung zu verschaffen, erhob ich mich und ging im Zimmer umher. Mir entschlüpften einzelne Worte, abgebrochene Redensarten:

.... Sie wissen nicht, wer ich bin, und doch erhält mich bereits nichts mehr am Leben als Sie oder Ihr Bild... Weswegen bin ich hier? Ich habe Sie sehen wollen... Ich habe auf die Gefahr hin, Ihnen zu misfallen, Sie wollen erkennen lassen, daß es einen Jüngling gibt, dessen einziger Gedanke Sie sind... Weshalb bin ich hier? Um meine Liebe, mein Geschick, mein Leben zu Ihren Füßen zu legen. Jüdin? Was thut's! Jüdin, ich werde Sie anbeten; Jüdin, ich werde Ihnen allenthalben hin folgen! O meine theure Jüdin, werden Sie irgendwo sonst jemand finden, der Sie liebt, wie ich?... Werden Sie die Zärtlichkeit, die Ergebenheit, das Glück finden, welches mein Herz für Sie bewahrt? Ach! könnten Sie nur die Hälfte von dem, was ich empfinde, theilen, Sie würden den Tag segnen, wo Sie mich zu Ihren Füßen sahen, und noch heute würden Sie mir die Hoffnung lassen, daß ich nicht umsonst zu Ihnen geredet habe...

Erleichtert hielt ich ein; ich hatte in diese Worte einen Theil der Gefühle gehaucht, welche meine Seele durchflutheten, und in dem Feuer, womit ich meine Rede begleitete, glaubte ich das Mädchen zu sehen, wie sie erröthete, von Rührung ergriffen wurde, und wie meine Worte ihr zu Herzen drangen. Ich legte die Hand auf das meinige und fuhr fort: Ach! nein, aus Mitleid gegen einen Unglücklichen verstoßen Sie mich nicht, Sie würden mich in einen Abgrund stürzen! für mich ist Leben, wo Sie sind!... Ha!... Hol ihn der Geier! O mein Onkel! mein Onkel!