Alles war verloren, ohne Rettung verloren und ich war im Begriff, bittere Thränen zu vergießen. Die Leidenschaft hatte mir in meinen eigenen Augen höhern Adel verliehen, auf einige Augenblicke war das Mistrauen in mich selber, jener Widerwille, jene Furcht, welche mir stets die Hoffnung vergifteten, verschwunden. Ich fühlte mich als ein Ebenbürtiger vor meiner Gottheit, und indem ich die Worte aussprach, führte ich meine Hand zum Herzen, welches ich bis auf die Haut brennen fühlte, da... Nein! Ich hätte keinen größern Ekel empfinden können, wenn ich die Hand auf eine kalte Natter, auf eine feuchte Kröte gelegt hätte, ein Zugpflaster lag auf meiner Brust – ich riß das Scheusal weg und schleuderte es von mir.


In diesem Augenblicke trat mein Oheim Tom in's Zimmer, ruhig wie eine Windstille, eine Phiole in der Hand und sein Buch unter dem Arme. Verwünscht sei Ihr Hippokrates! rief ich ihm heftig entgegen, verwünscht Ihre alten Scharteken und alle die... Was haben Sie gemacht? Sagen Sie, Oheim, was haben Sie gemacht?... Zweimal die süßesten Augenblicke meines Lebens vergiftet und was haben Sie da noch? Wollen Sie mich vergiften?

Ueber diese Anrede hatte sich mein Oheim Tom keineswegs entrüstet, vielmehr setzte er die Kette seiner Folgerungen da fort, wo er stehen geblieben war, und in der Meinung bekräftigt, daß der Paroxismus fortwähre, hatte er die Haltung eines scharfen, aufmerksamen Beobachters angenommen; ohne sich im geringsten um den Sinn meiner Worte zu kümmern, forschte er scharfsinnig an meinen Geberden, an der Heftigkeit meiner Stimme, an dem Feuer meines Blicks nach der Beschaffenheit und dem Fortgang meines Uebels, und merkte sich genau alle Anzeichen bis auf die allerkleinsten, um ihnen sogleich zu begegnen.

Er hat das Zugpflaster abgerissen, sagte er ganz leise. Julius!

Was?