Aber wenn die Nacht hinter dieser kurzen Dämmerung sich lichtet!.... Wenn sie nur ein dichter Schleier ist, der dem Auge die glänzenden, unendlichen Himmel verhüllt?...
Dann, Alter, wende ich mich zu dir; deine Lumpen ziehen mich an; ich will auf deinem Pfade wandeln.
Welcher Frieden für das Herz, welches Licht für den Geist! Eine gemeinsame Mühseligkeit, ein gemeinsamer Gott, eine gemeinsame Ewigkeit! Komm, mein Bruder, dein Elend dauert mich; dies Gold wird mich anklagen, wenn ich dir keine Linderung gewähre. Leiden und Duldung, Reichthum und Milde sind nicht mehr leere Worte, sondern süße Arzneien und führen zum Leben!
Das Ueble also ist ein Uebel und daher das Gute zu erwählen und zu verfolgen. Die Gerechtigkeit ist heilig, die Humanität segensvoll; der Schwache hat seine Rechte und der Starke beschränkende Pflichten. Mächtig oder elend, niemand ist enterbt außer durch seine Schuld... Vergnügen, Lust, Reichthümer, ihr habt eure Gebrechen und eure Pflichten. Armuth, Schmerzen, Herzeleid, ihr habt eure Tröstungen und eure Berechtigungen.... Tod! ich will dir weder Hohn sprechen noch dich fürchten; einzig und allein will ich mich bereiten, die glücklichen Reiche zu sehen, deren Eingang du aufschließest.
Alter Mann! wie weise, reich und tröstlich erscheinst du mir. Du gleichst in meinen Augen alten Ruinen, die am entlegenen Plätzchen Schätze verbergen.
So ändern sich die Dinge mit der Anschauungsweise. In diesem Sinne ist der Augenblick so bedeutsam, wo der Gedanke an den Tod die Seele des Menschen erfaßt und zwei Wege sich vor ihm öffnen.
Wäre der Mensch ein bloßes Vernunftwesen, so würde man ihn je nach dem Standpunkte seiner Ansichten durch eine gebieterische, schicksalsschwere Nothwendigkeit, von Schluß zu Schluß folgend, in dem einen oder dem andern dieser beiden Wege wandeln sehen. Glücklicherweise kennt und liebt der Mensch, unabhängig von aller Schulweisheit, die Ordnung, die Gerechtigkeit, das Gute; wenn er die Tugend gekostet, so zieht sie ihn an und er hält fest an ihr. Zudem, von Leidenschaften gepeinigt, von der Nothwendigkeit ganz und gar in Anspruch genommen, hat der armselige Vernunftmensch, der wankelmüthige Geist, das schwache Geschöpf weder Zeit noch Kraft, grausam oder erhaben zu sein... Doch man folge der Menge, man beobachte die Einzelnen, welche sich davon absonderten, um segenbringend oder verderblich zu wirken, und man wird unter denen, die nach bestimmten Grundsätzen handeln, auch die Entschlossensten antreffen und sie ohne Stolz zur Tugend schreiten sehen, und zum Verbrechen ohne Gewissensbisse.
Doch, armes Liedlein! darum hadre ich nicht mit dir; du dachtest an nichts Uebles. Trinken und Singen ist ein herrlich Ding: die Freude erweitert das Herz. Unter der Weinlaube beim Klange der Becher ziehe der Ernste, der Freudenfeind sich zurück, dann erscheinst du, auf den Flügeln der Lust und Freude heranschwebend.