Frage mich nicht, Leser, was all' diese neuen Personen mit meiner Geschichte zu thun haben. Nichts vielleicht. Allein, wenn du mir bis hierher gefolgt bist, was wird dich eine Abschweifung mehr kosten? Du bist daran gewöhnt, und ich werde diese Gestalten, die mir so theuer sind, wie jede Erinnerung des Jugendalters es ist, wieder aufleben sehen. Also herauf, ihr alten Miethsleute, Nachbarn von ehedem, die gegenwärtig vom Schauplatze der Welt verschwunden sind, deren ferne Erinnerung aber mein Herz mit Entzücken bewahrt!
Da war zuerst in demselben Stockwerke mit uns ein abgedankter Lehrer, ein alter, gutmüthiger Mann, dessen einzige Beschäftigung darin bestand, sein mit vierzig Jahren Arbeit verdientes Gnadenbrod gemächlich zu verzehren. Ein friedlicher, jovialer Epikuräer, begoß er Morgens die Blumen eines kleinen Gartens, Mittags hielt er regelmäßig sein Schläfchen. Nach dem Essen ging er, die Abendluft zu genießen, in Gemeinschaft mit einigen Kanarienvögeln, die er aufgezogen hatte und die pickend und flatternd ihm zur Seite blieben.
Er hatte indeß seinen frühern Stand nicht so gänzlich aufgeben können und sein Hauptvergnügen bestand darin, daß er allen Dingen, allen Personen ein Sprüchlein anhängte, welches seine Schulmeister-Erinnerungen ihm darboten. Ich war ehedem ihm durch die Hände gegangen und nicht ganz und gar gefühllos für den prosodischen Fluß seiner Kernsprüche; dazu hatte er mich lieb und es geschah nicht leicht, daß er mir begegnete, ohne mich in seiner Weise anzureden:
puer, si qua fata aspera rumpas,
Tu Marcellus eris,
und sein dicker Bauch schüttelte sich in langem, kräftigem Lachen, um das ich ihn beneidete, wenn ich auch nicht mit einstimmte. Wenn eine alte Magd ihm aus dem Dorfe irgend ein kleines, eigennütziges Geschenk brachte:
Timeo Danaos, et dona ferentes!
und das Bäuchlein setzte sich in Bewegung. Aber wenn es sich um seine Gemahlin handelte, dann nahm es kein Ende