Und so bissen sie zu.

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Es war am Karfreitag. Die große Sturzflut der Offensive warf sich gegen das Herz Frankreichs. Auch der Tag der heiligen Trauer unterbrach das Massaker nicht, denn der bürgerliche Krieg kennt keinen Gottesfrieden mehr. Christus war in einer seiner Kirchen bombardiert worden, und die Nachricht von der mörderischen Explosion in der Kirche Saint-Gervais gerade um die Vesperstunde verbreitete sich nachts im lichtlosen Paris, das von Trauer, Zorn und Furcht erfüllt war.

Die Freunde hatten sich in ihrer Betrübnis bei Froment versammelt. Ohne Verabredung waren sie hingekommen, weil sie sicher waren, einander dort zu finden. Überall sahen sie Gewalt: in der Vergangenheit, in der Zukunft, bei dem Feinde, bei den Ihren, im Lager der Reaktion ebenso wie in dem der Revolution. Ihre Angst und ihre Zweifel vereinigten sich in einem einzigen Gedanken, und der Bildhauer sagte:

„Vergeblich beruhen unsere heiligsten Überzeugungen, unser Glaube an den Frieden und die menschliche Brüderlichkeit auf der Vernunft und der Liebe. Gibt es denn wirklich gar keine Hoffnung, daß sie jemals Macht gewinnen über die Menschen? Wir sind zu schwach!“

Und Clerambault rezitierte, ganz ohne es zu wollen, die Worte des Jesaias, die ihm plötzlich in Erinnerung kamen:

„Dunkel bedecken die Erde, und der Schatten umhüllt die Völker....“

Er hielt inne. Aber von seinem kaum erhellten Bett fuhr Froment unsichtbar fort:

„Stehet auf, denn von den Gipfeln der Berge erscheinet das Licht....“

„Ja, es erscheint“, wiederholte aus dem Dämmer die Stimme der Frau Froment, die zu Füßen des Bettes an der Seite Clerambaults saß. Clerambault faßte ihre Hand. Es war wie ein kühler Schauer, der durch das Zimmer lief.