Im Hinterland aber verminderte sich die Begeisterung durchaus nicht. Clerambault ließ nicht nach, wie ein Orgelbalg weiterzudröhnen. Aber von Maxime klang nicht mehr das erwartete und erhoffte Echo.
§
Plötzlich kam er auf einige Tage Urlaub zurück. Er hatte niemanden zuvor verständigt. Auf der Treppe blieb er stehen, seine Füße waren ihm schwer. Obwohl er kräftiger aussah, wurde er rascher müde, und dann: er war erregt. Aber er faßte wieder Atem und stieg die Treppe vollends empor. Seine Mutter öffnete auf sein Klingeln, sie schrie auf vor Überraschung. Clerambault, der in der Wohnung in ewiger Langeweile und Erwartung hin und her trottete, lief lärmend herbei. Es gab ein lautes Wiedersehen. Nach einigen Minuten ließen die Umarmungen und das zusammenhanglose Reden nach, Maxime mußte zum Fenster, sich ins Licht hinsetzen und sich von ihren entzückten Blicken betrachten lassen. Sie waren begeistert über seine braune Hautfarbe, seine vollen Wangen, sein gutes Aussehen; sein Vater tat die Arme auf und rief ihn an: „Mein Held!“ — Und Maxime, mit zusammengeballten Händen, fühlte plötzlich, daß es ihm unmöglich sei, etwas zu sagen.
Bei Tisch verzehrte man ihn mit den Blicken, man trank seine Worte. Aber er sprach beinahe nichts. Die übertriebene Begeisterung der Seinen hatte sein erstes leidenschaftliches Gefühl irgendwie gebrochen. Glücklicherweise merkten sie es nicht. Sie schoben sein Schweigen der Müdigkeit und dem Hunger zu. Übrigens sprach Clerambault für zwei, er erzählte Maxime, wie es in den Schützengräben zugehe, und die gute Frau Pauline wurde in seinen Worten die Cornelia des Plutarch. Maxime sah sie an, aß, sah sie von neuem an: ein Abgrund war zwischen ihnen.
Zu Ende der Mahlzeit, als er im Zimmer seines Vaters in einem Fauteuil saß und seine Zigarre rauchte, konnte er nicht anders, als endlich die Erwartung der guten Leute zufriedenzustellen. Er begann also, in ruhiger, sachlicher Weise seine Tageseinteilung zu schildern, und in einer besonderen Schamhaftigkeit war er darauf bedacht, in seinen Erzählungen jedes übertriebene Wort und vor allem die tragischen Bilder zu vermeiden. Sie hörten zu, zitternd vor Erwartung, und sie warteten noch immer, als er schon zu Ende war. Dann gab es ihrerseits einen ganzen Sturm von Fragen, Maxime antwortete darauf mit wenigen Worten, hastig und ohne Feuer. Schließlich versuchte Clerambault, „seinen lustigen Jungen“ aufzumuntern und gab ihm jovial einige Stöße.
„Na also, erzähl’ ein bißchen... so von einem Gefecht bei euch..., das muß aber schön sein..., was für eine schöne Sache doch dieser heilige Glaube ist... bei Gott, das möchte ich einmal sehen, ich möchte gern an deiner Stelle sein.“
Maxime antwortete:
„Alle diese schönen Dinge siehst du besser von hier aus.“
Seit er im Schützengraben war, hatte er keinen Kampf mehr und kaum irgendeinen Deutschen gesehen. Einzig den Dreck und das Wasser. — Aber sie glaubten es ihm nicht, sie dachten, er rede so aus dem Widerspruchsgeist, den sie bei ihm von Kind an kannten.
„Du Spaßvogel“, sagte Clerambault lachend. „Also was macht ihr denn den ganzen Tag da in euren Gräben?“